Musik­instrumenten­bauer/in (Hoch­schule)

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Geigenbauerin

Tätigkeitsfelder:

Musikinstrumentenbau; Restaurierung, Konservierung

Abgeschlossenes Studium in:

Musikinstrumentenbau

BERUFENET:

Musikinstrumentenbauer/in (Hochschule)

Neben Fächern wie Restaurierung oder Holztechnik nimmt man sich zum Beispiel auch Zeit für die Forschung im akustischen Bereich.

Klingendes Holz

In jedem Klang eines Cellos, das Antonia Meyer (31) gebaut hat, stecken ihr Können und ihr Geschick. Bis ein Violoncello spielfertig ist, hat die studierte Geigenbauerin rund 400 Arbeitsstunden investiert.

Mit einem Stapel Holz fängt der hoch komplizierte künstlerische und architektonische Kreationsprozess an, der in ein Violoncello mündet. Für Antonia Meyer ist die Wahl der Hölzer das Geheimnis im Klang eines Streichinstrumentes: Fichte für die Decke, Ahorn für den Boden und Ebenholz für Wirbel, Griffbrett und den Saitenhalter.

Für ihre Arbeit braucht sie einen langen Atem. „Ein Geigenbauer muss sehr geduldig sein und handwerklich begabt“, sagt die 31-Jährige. In ihrer Augsburger Werkstatt wechseln sich Neubauperioden und Reparaturperioden ab – wobei rund achtzig Prozent ihrer Aufträge Neubauten sind. Bei den übrigen zwanzig Prozent handelt es sich um Reparaturaufträge wie zerbrochene Stege, Risse in der Geigendecke oder abgeplatzten Lack.

Die junge Geigenbauerin hat ihren festen Kundenstamm. Sie profitiert von Mundpropaganda, mit der sie sich bereits einen guten Namen gemacht hat. „Ein Musiker hat ein Instrument und zeigt es dem anderen“, erklärt Antonia Meyer. Eine effektive und kostenlose Werbung – trotzdem muss sie zuweilen selbst den ersten Schritt tun: „Manchmal ist es einfach nötig, auch mal auf einen Musiker zuzugehen und ihm ein Instrument anzubieten.“

Jahrhundertealte Techniken

Im Geigenbau ist alles Handarbeit, die Techniken sind mehrere Hundert Jahre alt und kommen aus Italien, dem Geburtsland der Geige. Für Antonia Meyer lag es deshalb nahe, nach ihrer bestandenen Gesellenprüfung als Geigenbauerin dort erste Berufserfahrungen zu sammeln. Fast zwei Jahre arbeitete sie in Cremona, der Wirkungsstätte des legendären italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari. Anschließend absolvierte sie ein Studium Musikinstrumentenbau, Studienrichtung Streichinstrumentenbau, an der Westsächsischen Hochschule Zwickau am Standort Markneukirchen. Im Studium wurden sowohl kunsthandwerkliche Fähigkeiten als auch die theoretischen Grundlagen ihres Berufs vermittelt. „Neben Fächern wie Restaurierung oder Holztechnik nimmt man sich dort zum Beispiel auch Zeit für die Forschung im akustischen Bereich.

Lange Familientradition

Dem Cello fühlt sich Antonia Meyer in besonderer Weise verbunden. Vor ihrer Entscheidung, Geigenbauerin zu werden, hatte sie kurzzeitig überlegt, Cello zu studieren. „Dass es schon eine lange Geigenbautradition in meiner Familie gibt, die sich zehn Generationen in die Vergangenheit zurückverfolgen lässt, habe ich interessanterweise erst entdeckt, nachdem ich mich entschieden hatte, Geigenbauerin zu werden.“

Die richtige Entscheidung: Wer heute beobachtet, wie die 31-Jährige eine Cellohälfte auf ihre Werkbank zwischen Holznägel legt, damit das Instrument nicht wegrutscht, und wie sie dann mit einem Hobel Span für Span abhebt, bis sich eine Wölbung ergibt, der sieht: Antonia Meyer ist in ihrem Element. <<

http://bfi.plus/59515