Medizin­physiker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Medizinphysikerin

Tätigkeitsfelder:

Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik; Wissenschaftliche Forschung

Abgeschlossenes Studium in:

Medizinphysik

BERUFENET:

Medizinphysiker/in

Bei Operationen an Organen braucht man starke Nerven.

Expertin in Sachen Strahlung

Physik im Dienste der Gesundheit: Medizinphysikerin Susann Bohn (32) arbeitet in der klinischen Strahlentherapie. Sie plant Bestrahlungen, überprüft die Geräte und ist für den Strahlenschutz verantwortlich.

Wenn Patienten im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel durch eine Strahlenbehandlung therapiert werden sollen, sind Susann Bohn und ihre Kollegen gefragt: „Wir planen die Behandlung auf Grundlage physikalischer Berechnungen, sorgen dafür, dass bei Krebsbehandlungen die verschriebene Dosis in den Tumoren ankommt, und kümmern uns darum, dass die Geräte für die Patientenbehandlung einsatzbereit sind“, berichtet Susann Bohn. Ihr technisches Verständnis ist gefragt, wenn sie Geräte wie den Linearbeschleuniger, der gut- und bösartige Gewebeveränderungen mit Elektronen oder Photonen bestrahlt, kontrolliert oder mit kleineren Reparaturen wieder einsatzfähig machen soll.

Die 32-Jährige berät zudem die medizinischen Mitarbeiter/innen der Klinik bei der Anschaffung neuer Geräte und schult sie im Umgang mit diesen. Außerdem sind die Medizinphysiker der Universitätsklinik für den Strahlenschutz zuständig. „Wenn zum Beispiel irgendwo auf dem Campusgelände radioaktive Strahlung vermutet wird, kontrolliere ich die Stelle mit einem Detektor und leite notwendige Maßnahmen zur Entfernung der Verunreinigung ein.“

Fachkunde nach dem Studium

Susann Bohn hat Medizinphysik in Halle an der Saale studiert, ihre Kollegen sind vorwiegend Absolventen eines physikalisch-technischen Studiengangs. Um sich auf die Arbeit eines Medizinphysikers zu spezialisieren, haben einige von ihnen einen Aufbaustudiengang in der Medizinphysik abgeschlossen. Obligatorisch vor dem Einsatz im medizinischen Bereich ist eine zusätzliche zweijährige Ausbildung unter fachkundiger Anleitung in einer Klinik. Erst danach dürfen Medizinphysiker/innen selbstständig Messungen ionisierender Strahlung an den Geräten durchführen, Aufgaben im Strahlenschutz übernehmen und an der Behandlung von Patienten in der Brachytherapie mitwirken. Bei dieser Therapieform sind sie bei Operationen dabei, bei denen eine Strahlenquelle im Körper des Patienten platziert wird. „Bei Operationen an Organen braucht man schon starke Nerven“, meint Susann Bohn.

Außer in der Strahlentherapie kommen Medizinphysiker in Kliniken und Praxen auch in der Nuklearmedizin und der Radiologie zum Einsatz. Alternativ können sie aber auch in Unternehmen, die medizinisches Equipment für strahlentherapeutische Behandlungen herstellen, sowie in der medizinischen Forschung und Entwicklung oder an Hochschulen tätig sein.

Neue Techniken und Verfahren testen

An ihrer Arbeit im Krankenhaus schätzt Susann Bohn, dass jeden Tag neue Herausforderungen warten. Auch wenn die Patienten ähnliche Diagnosen erhalten, sind die Behandlungen nie gleich. Und Techniken und Geräte entwickeln sich stets weiter. „Wir überprüfen die Bestrahlungsgeräte auf ihren korrekten klinischen Betrieb nach einer Neuinstallation. Außerdem können wir neue Bestrahlungstechniken an sogenannten Phantomen – also Körpern, deren Dichte der von Knochen und menschlichem Gewebe ähnlich sind –entwickeln und erproben.“ Das wissenschaftliche Arbeiten macht der 32-Jährigen so viel Spaß, dass sie in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik zusätzlich eine Doktorarbeit plant. <<

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