Lektor/in – Verlage

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Lektorin

Tätigkeitsfeld:

Redaktion, Journalismus, Lektorat

Abgeschlossenes Studium in:

Germanistik, Geschichte und Kommunikations- und Medienwissenschaften mit Schwerpunkt Verlagswesen

BERUFENET:

Lektor/in – Verlage

Die Lektoratsarbeit erfordert viel Fingerspitzengefühl. Schließlich wird niemand gerne auf Fehler hingewiesen.

Geschichten auf ein neues Level heben

Gute Texte sind ihr nicht gut genug. Die Lektorin Susann Wendt (33) optimiert Bücher und Werbetexte so lange, bis sie sprachlich, stilistisch sowie fachlich korrekt sind – und zudem noch Lesevergnügen bereiten.

Susann Wendt macht Geschichten schöner. Unpassende Formulierungen, Logik- oder Tippfehler haben bei ihr keine Chance. Die Leipzigerin arbeitet als freiberufliche Lektorin. „Ein häufiger Irrglaube über meinen Beruf ist, dass wir nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung korrigieren“, sagt sie. „Es geht jedoch vielmehr um die tief gehende Überarbeitung eines Manuskriptes. Ich optimiere ein Buch stilistisch, passe den Ton an die Zielgruppe an, bereite Texte leserfreundlich auf und überprüfe die Inhalte.“ Ihre Auftraggeber kommen aus unterschiedlichen Branchen. Nicht nur Verlage, sondern auch Werbeagenturen, Wirtschaftsunternehmen sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen setzen auf das Sprachgefühl eines Lektors oder einer Lektorin.

Studium und Volontariat

Den einen Weg in den Beruf des Lektors gibt es nicht – die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. „Ich würde allerdings empfehlen, ein Studium zu absolvieren und danach ein Volontariat in Angriff zu nehmen“, rät Susann Wendt. Sie selbst hat ein Magisterstudium an der Universität Leipzig durchlaufen, mit Germanistik als Hauptfach sowie Geschichte und Kommunikations- und Medienwissenschaften mit Schwerpunkt Verlagswesen als Nebenfächer. Danach suchte sie nach einem Verlag, in dem sie eine redaktionelle Ausbildung absolvieren konnte. „Weil die Verlagsbranche so klein ist, kann die Suche nach einem Volontariat lange dauern“, sagt sie aus Erfahrung. „Daher würde ich empfehlen, die Wartezeit konstruktiv zu überbrücken. Ich habe aushilfsweise in der Geschichtsredaktion vom MDR gearbeitet und außerdem Seminare zum Thema Lektorat besucht.“ Nach Abschluss des Verlagsvolontariats kümmerte sie sich um die Öffentlichkeitsarbeit eines Museums, ehe der Schritt in die Selbstständigkeit erfolgte.

Fingerspitzengefühl gefragt

Die meisten Lektoren haben ein bestimmtes Fachgebiet. Da Susann Wendt Geschichte als Nebenfach studiert hat, bearbeitet sie meist Fach- und Sachbücher zu geschichtlichen Themen. Wird sie von einem Verlag oder Autor beauftragt, schaut sie sich zunächst ein Probekapitel an und unterbreitet einen Kostenvoranschlag. Dann beginnt für Susann Wendt die eigentliche Arbeit. „Ich gehe seitenweise vor. Erst prüfe ich den Text auf Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Danach achte ich auf den Inhalt und den Stil. Im Kommentarmodus schreibe ich zudem immer dazu, welche Änderungen ich aus welchem Grund vorgenommen habe.“

Zum Schluss setzen sich Autor und Lektorin zusammen, um die Korrekturen zu besprechen. „Die Lektoratsarbeit hat viele didaktische Komponenten und erfordert viel Fingerspitzengefühl. Schließlich wird niemand gerne auf Fehler hingewiesen“, sagt sie. Die Arbeit an einem 300-seitigen Buch kann rund sechs Wochen dauern. Zwischendurch bearbeitet sie gelegentlich kleinere Werbetexte: „Als Selbstständige muss ich eine Mischkalkulation betreiben.“ Was sie damit meint: Werbeprojekte sind für das Bankkonto, Buchprojekte für das Künstlerherz. <<

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