Leiter/in – Werk­stätten für behinderte Menschen

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Geschäftsführer in einer Werkstatt für behinderte Menschen

Tätigkeitsfeld:

Sozial- und Gesundheitsmanagement

Abgeschlossenes Studium in:

Soziale Arbeit (Diplom); Bildung und Beratung (Master)

BERUFENET:

Leiter/in – Werkstätten für behinderte Menschen

Immer mehr Menschen mit Behinderungen erreichen das Rentenalter. Diese Prozesse müssen frühzeitig geplant werden.

Würde und Wirtschaftlichkeit

Florian Demke (35) ist Geschäftsführer einer Werkstatt für behinderte Menschen. Bei seiner Arbeit muss er betriebswirtschaftliche Entscheidungen auch immer an ethischen Fragen messen.

Die Lichtenberger Werkstatt für Behinderte (LWB) ist der Arbeitsplatz von rund 460 Menschen mit Behinderungen. Die Einrichtung umfasst sechs Betriebsstätten und 14 verschiedene Arbeitsgebiete, von der Aktenvernichtung bis zur Wäscherei. Zudem können Menschen dort Fähigkeiten für Tätigkeiten in oder außerhalb der Werkstatt erlernen. Schwerbehinderte werden betreut und gefördert.

Zuhören, reden, schreiben

Der Kopf der Einrichtung ist Florian Demke. Der Terminplan des Geschäftsführers ist prall gefüllt: Gespräche mit politischen Verantwortungsträgern, mit den Gesellschaftern und Kostenträgern, Dienstbesprechungen, Personalgespräche mit Werkstattmitarbeitern und Arbeitsgruppentreffen. Mal ist er Moderator, mal ist er als Gast geladen. „Jedes Gespräch löst etwas aus: Ich muss Entscheidungen treffen, Papiere prüfen und unterschreiben, Texte verfassen, andere Menschen informieren und den Gesellschaftern Bericht erstatten“, umreißt er seine Aufgaben. „Kommunikation ist das A und O, ob im persönlichen Gespräch, am Telefon oder schriftlich.“

Als Geschäftsführer steckt er in allen Prozessen der Gesellschaft, verantwortet etwa die betriebswirtschaftlichen Zahlen, die Personalsituation und muss auf Gesetzesänderungen reagieren, die sich auf die Produktionsbedingungen auswirken: „Man kann den Status quo nicht zementieren. Meine Aufgabe ist es, trotz der Änderungen ein stabiles Angebot zu schaffen.“

Beispiel Krisenvorsorge: „Immer mehr Menschen mit Behinderungen erreichen das Rentenalter. Wir müssen zum Beispiel Übergangsgruppen schaffen, die diejenigen auffangen, deren Leistungsvermögen eingeschränkt sein wird. Auch mit Blick auf die Wohnsituation brauchen wir Konzepte und Ideen. Viele wohnen bei ihren Eltern, die aber irgendwann die Betreuung nicht mehr übernehmen können. Ich muss entscheiden, welche Wege wir einschlagen wollen und welche Angebote wir perspektivisch brauchen. Diese Prozesse müssen frühzeitig geplant werden.“

Ein Balanceakt

Die Ökonomie ist der Preis der Menschenwürde, nicht umgekehrt. „An diesem Satz versuche ich mich beim Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und unserem Angebot zu orientieren“, sagt der 35-Jährige. Das funktioniert nur, weil er die Arbeit mit den Menschen, deren Probleme und Situation sowie die Strukturen im Detail kennt. Er hat schon vor seinem Diplomstudium in Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin jahrelang in der Behindertenhilfe mit Menschen gearbeitet und weiß aus seiner Zeit im Begleitenden Dienst der LWB, was Wohnungslosigkeit, Probleme in den Familien und Alkoholmissbrauch auslösen können.

Auch in der Werkstatt hat er mehrere Funktionen ausgefüllt, war zuletzt Bereichsleiter für berufliche Bildung. Berufsbegleitend absolvierte er den Masterstudiengang Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt „Bildung und Beratung“, ebenfalls an der Katholischen Hochschule. „Für eine Leitungsfunktion spielen eben auch betriebswirtschaftliches Wissen, Managementprozesse sowie Personalführung und rechtliche Fragen eine wichtige Rolle.“ <<

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