Lehrer/in – Förder­schulen

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Lehrerin für Förderunterricht

Tätigkeitsfeld:

Lehrtätigkeit an allgemeinbildenden Schulen

Abgeschlossenes Studium in:

Sonderpädagogik

BERUFENET:

Lehrer/in – Förderschulen

Für unsere Schüler sind offene, handlungsorientierte Methoden wichtig.

Geduld, Gefühl, gute Vorbereitung

Bei Doris Wurdak (30) gibt es keinen Standard-Unterricht. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen bereitet die Lehrerin an einer Förderschule in Franken ihre Schüler auf den Hauptschulabschluss vor.

Wie sie den Schultag gestaltet, hat Doris Wurdak selbst in der Hand. Einen festen Stundenplan muss die Klassenlehrerin von fünfzehn Schülern im Alter von 14 und 15 Jahren nicht einhalten. Das ginge auch gar nicht. Denn die Schüler am Sonderpädagogischen Förderzentrum verhalten sich nicht so, wie es in einer Regelschule erwartet würde. Unter ihnen sind Jugendliche mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, mit Sprachauffälligkeiten oder mit ADHS. „Die meisten meiner Jugendlichen kommen aus prekären Familiensituationen. Das heißt, dass ihre emotionale Entwicklung oft nicht altersgemäß ist“, erklärt Doris Wurdak. Daher kommt es vor, dass sie einem Achtklässler beibringt, sich die Schuhe zu binden oder die Uhrzeit zu lesen. Ihre Schüler sind oft sehr verspielt, ablenkungsbereit und manchmal auch aggressiv. Die 30-Jährige muss damit umgehen können, dass sie die inhaltlichen Ziele, die sie sich am Morgen steckt, oft nicht erreichen kann.

Freie Unterrichtsgestaltung

Außer Religion und Sport unterrichtet Doris Wurdak alle Fächer. Sie arbeitet mit den Schülern eher in Phasen denn in Unterrichtsstunden. „Manchmal mache ich mehr Mathe, dann mehr Deutsch oder was ich gerade für wichtig erachte.“ Ihr Ziel: Im Idealfall sollen ihre Schüler den Mittelschulabschluss machen. In Bayern ist die Mittelschule die Nachfolgeschule der Hauptschule. Prüfungen, hier Proben genannt, konzipiert sie individuell nach dem Leistungsniveau der Schüler. Manchmal organisiert sie auch Projekte für ihre Schüler. Dann besucht sie mit ihnen eine Chorprobe oder geht mit ihnen in die Oper. „Für unsere Schüler sind offene, handlungsorientierte Methoden wichtig, weil sie nicht konzentriert in einem Buch lesen oder nur Arbeitsblätter ausfüllen können. Sie brauchen Bewegung, sie brauchen Abwechslung.“

Doris Wurdak benötigt für ihren Beruf Geduld, Offenheit und Humor. Auch mit den unterschiedlichen Krankheitsbildern der Schüler muss sie sich auskennen – etwa Autismus, ADHS oder Rechenschwäche. In ihrem Studium der Sonderpädagogik an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg hat sie sich gezielt auf ihren Beruf als Lehrerin für Förderunterricht vorbereitet. Unter ihren Kollegen finden sich auch Real- und Mittelschullehrer. „Doch ohne die konkrete Ausbildung für die Arbeit an der Förderschule ist der Job sehr schwierig.“

Positives Feedback

Der Unterricht geht normalerweise von acht Uhr zwanzig bis dreizehn Uhr zwanzig. Danach führt sie Elterngespräche und bereitet den Stoff für den kommenden Tag vor. Berufsbegleitend macht sie momentan eine Ausbildung zur Theaterpädagogin. Sie kann sich vorstellen, ihre Arbeitszeit als Lehrerin zu reduzieren und ihren Schülern auch Theaterprojekte anzubieten. Denn an ihren Schülern hängt sie sehr. „Sie geben einem unheimlich viel zurück“, sagt Doris Wurdak. Es kommt schon mal vor, dass eine Schülerin sie um Rat fragt und das Gespräch beendet mit: „Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen. Ich hab Sie lieb.“ <<

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