Lebens­mittel­chemiker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Lebensmittelchemikerin

Tätigkeitsfelder:

Lebensmittelherstellung; Gutachter- und Sachverständigentätigkeit; Qualitätssicherung und -management

Abgeschlossenes Studium in:

Lebensmittelchemie

BERUFENET:

Lebensmittelchemiker/in

Das Probieren von Lebensmitteln gehört zu meiner Jobbeschreibung.

Gesetz und Gaumen

Zu Zeiten, in denen Bäckereien geschlossen sind, versorgen sich viele Menschen mit Backwaren von der Tankstelle. Kaum jemand weiß besser, was in diesen Backwaren steckt, als die Lebensmittelchemikerin Daniela Amon (32).

Einmal am Tag, etwa um 10.30 Uhr, geht Daniela Amon zum Wareneingang, wo kistenweise tiefgekühlte Aufbackbrötchen, Pizzaschnitten, Croissants und Muffins angeliefert werden. Sie öffnet eine Kiste, entnimmt eine Stichprobe, schnuppert an ihr – und beißt hinein. „Das Probieren von Lebensmitteln gehört zu meiner Jobbeschreibung“, erklärt die 32-Jährige. Die Lebensmittelchemikerin arbeitet in Nürnberg beim Lebensmittelkonzern Nestlé Schöller. Sie ist dafür verantwortlich, dass rund 150 Lebensmittel ihres Arbeitgebers den Vorgaben des Lebensmittelrechts sowie den firmeninternen Anforderungen gerecht werden. Das ist – angesichts der vielen Produkte und der Fülle von Verordnungen und Gesetzen im Lebensmittelrecht – eine ausgesprochen komplizierte Aufgabe.

Süß und zimtig

Vom Herstellerwerk der Backwaren im niedersächsischen Uelzen, das Tankstellen, Hotels und Cafés mit den Produkten versorgt, bekommt die Lebensmittelchemikerin Dokumente mit den Spezifikationen. In diesen steht, welche Inhaltsstoffe das Produkt hat, wie es schmecken und aussehen soll. Zunächst gleicht Daniela Amon diese Angaben mit den Gesetzen ab. Die nötigen umfassenden Kenntnisse im Lebensmittelrecht hat sie im Rahmen ihres Studiums der Lebensmittelchemie an der TU Dresden und ihres Referendariats an einer Behörde erworben – abgeschlossen mit dem Staatsexamen. Allerdings entwickelt sich die Gesetzgebung stetig weiter, „daher muss ich immer wieder Gesetzbücher wälzen.“

Außerdem probiert und begutachtet die Lebensmittelchemikerin die Lebensmittel selbst. Dabei geht sie streng methodisch vor. „Ich schreibe Listen, wie die Lebensmittel sensorisch und geschmacklich beschaffen sein sollen.“ Zum Beispiel ein Muffin mit Karamell: süß und deutlich nach Zimt und Apfel duftend, im Geschmack süß und zimtig, in der Textur sehr saftig, aber locker, mit knackigen Streuseln und einer cremigen Füllung. Der persönliche Geschmack spielt bei dieser Prüfung keine Rolle: „Ich habe gelernt, objektiv zu bleiben, auch wenn ich etwas nicht mag. Wir werden einmal im Jahr geschult, um die Geschmacksarten salzig, süß, sauer und bitter sicher erkennen zu können.“

Den Lieferanten auf die Finger schauen

Stichproben der Lieferungen schickt Daniela Amon an Labore, die die Inhaltsstoffe prüfen. Die Ergebnisse studiert sie dann in ihrem Büro. Wenn es Abweichungen von den Normen gibt, prüft sie, ob diese noch im Toleranzbereich liegen. „Ich schreibe eine Risikoanalyse, um festzustellen, ob die Sicherheit der Verbraucher gefährdet ist. Wenn ja, kommt das Produkt auf keinen Fall in den Handel.“

Daniela Amon ist nicht nur im eigenen Betrieb anzutreffen, sondern kontrolliert auch regelmäßig die Produktionsstätten der Zulieferer. „Es macht mir extrem viel Spaß, die Werke kennenzulernen. Ich schaue dann, ob alles ordnungsgemäß gemacht wird, und spreche mit den Mitarbeitern.“ Jeder Schritt in Daniela Amons Arbeit dient einem Ziel: die Qualität von Lebensmitteln zu verbessern. „Ich koche und esse gerne. Daher finde ich meinen Beruf nicht nur interessant, sondern habe auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu machen.“ <<

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