Kostüm­bildner/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Bühnen- und Kostümbildnerin

Tätigkeitsfelder:

Bühnen- und Kostümbildnerei, Requisite; Theater-, Film- und Fernsehproduktion

Abgeschlossenes Studium in:

Bühnen- und Kostümbild

BERUFENET:

Kostümbildner/in

Kostüme und auch das Bühnenbild sind nicht nur Dekoration, sondern haben eine Funktion im Stück.

Die Stimmung einfangen

Mit künstlerischem Gespür findet Anna Maria Münzner (29) die passende Kleidung und Objekte für verschiedene Inszenierungen. Die Bühnen- und Kostümbildnerin trägt damit zur Entwicklung der Stücke bei.

Ob Theaterstücke wie „Das bisschen Krieg“ in Chemnitz, die Rauminszenierung „Eine Woche im Oktober“ am Staatsschauspiel Dresden oder der Kinofilm „Jesus Cries“ – die Projekte, an denen Anna Maria Münzner mitwirkt, sind abwechslungsreich. Mit verschiedenen Künstlergruppen setzt sie eigene Ideen um, entwirft dafür Kostüme und Bühnenbild. Der Austausch mit Regie und Performancekünstlern, Sängern und Komponisten ist dabei richtungsweisend. „Wir treffen uns und diskutieren unsere Vorschläge, entwickeln Stücke oft gemeinsam. Denn Kostüme und auch das Bühnenbild sind nicht nur Dekoration, sondern haben eine Funktion im Stück“, erklärt die freiberufliche Kostümbildnerin.

Zwischen Designsoftware und Moodboards

In ihrem Atelier beginnt Anna Maria Münzner, Kleidung oder Objekte zu visualisieren, fertigt mit Bleistift und Tusche erste Zeichnungen an und gestaltet sie mit Designsoftware aus. „So kann ich zum Beispiel Farben ändern oder andere Muster darunterlegen, bis das Bild meinen Vorstellungen entspricht.“ Auf sogenannten Moodboards – Papptafeln mit Skizzen, Fotos und Zeichnungen – nehmen die eingefangenen Stimmungen Formen an. Beim nächsten Ensemble-Treffen stellt Anna Maria Münzner ihre Kostüm-Vorstellungen wieder zur Diskussion. „So entwickeln sich die Ideen weiter, bis alle überzeugt sind.“

Die finalen Entwürfe gehen dann zum Beispiel bei einer Theaterproduktion in eine Werkstatt, wo eine Gewandmeisterin oder ein Meister die Kostüme anhand der Vorgaben anfertigt. „Bei den freien Projekten besteht die große Herausforderung darin, ohne diesen Schritt auszukommen.“ Weil es sich hier oftmals um zeitgenössische Stücke handelt, für die keine aufwendigen historischen Gewänder geschneidert werden müssen, finden sich zumeist Lösungen. Mit Erfindungsgeist bezieht Anna Maria Münzner vorgefundene Materialien, Stoffe oder Kleidung in ihre Entwürfe ein.

Im Bereich Bühnen- und Kostümbild gibt es deutschlandweit nur wenige Studiengänge, die zudem nur teilweise auf Bachelor und Master umgestellt sind. Die 29-Jährige hat ihr Diplom in Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden gemacht und gerade das zweijährige Meisterschülerstudium bei Professorin Barbara Ehnes abgeschlossen, für das ein überdurchschnittlicher Studienabschluss Voraussetzung ist.

Kreative Aufgaben und Schreibtischarbeit

Die fertigen Kostüme haben bei den Proben ihren ersten Einsatz. Dabei stellt sich oft heraus, dass noch etwas verändert werden muss, denn auch die Inszenierung hat sich inzwischen schon weiterentwickelt. „Anders als beim klassischen Theater, wo sehr viel vorbereitet werden kann, fließen bei unseren Projekten oft spontan Ideen ein“, sagt Anna Maria Münzner. „So kann es vorkommen, dass etwas, das ich vorbereitet habe, dann gar nicht mehr zum Stück passt.“ Viel Geduld und Kommunikationstalent erfordert auch das Miteinander mit allen Beteiligten vom Bühnentechniker bis hin zur Opernsängerin.

„Oft sitze ich auch am Schreibtisch und erledige verwaltende Aufgaben, schreibe Förderanträge oder Honorarabrechnungen“, erläutert die 29-Jährige. Sie hat sich auf die Selbstständigkeit eingestellt. „Zwar könnte ich auch angestellt an einem Theater arbeiten, doch in diesem Beruf ist das eher die Ausnahme.“ <<

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