Ingenieur/in – Textil­technik; Qualitäts­ingenieur/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Qualitätsingenieurin

Tätigkeitsfeld:

Qualitätssicherung, -management

Abgeschlossenes Studium in:

Textiltechnologie und -management

BERUFENET:

Ingenieur/in – Textiltechnik; Qualitätsingenieur/in

Es gibt keine konstante Produktionsqualität,

Fehler aus der Ferne beurteilen

Sylvia Kürzinger (32) sorgt von Franken aus dafür, dass die weltweite Produktion von Wollgarnen bei ihrem Arbeitgeber allen Ansprüchen gerecht wird. Die Qualitätsingenieurin hat eine Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Vertrieb und Produktion.

Anders als synthetische Stoffe ist Wolle ein Naturprodukt, das natürlichen Schwan-kungen unterliegt. „Es gibt keine konstante Produktionsqualität, da der Grad der Verschmutzung auch von den Lieferanten abhängt oder davon, was die Schafe sozusagen ­einsammeln. Das kann jedes Jahr anders sein“, erzählt ­Sylvia Kürzinger. Die 32-Jährige arbeitet als Qualitätsingenieurin bei der Nürnberger Firma Südwolle, einem Hersteller von Wollgarnen, der Produktionswerke in China, Rumänien und weiteren Ländern unterhält und weltweit Modefirmen mit Wollgarnen beliefert.

Fehler künftig verhindern

Immer wenn einer der Kunden der Firma mit der Qualität unzufrieden ist, geht die Beschwerde bei Sylvia Kürzinger ein. Mängel können zum Beispiel Noppen auf dem Garn sein, die man im Gewebe sieht. Oder das Gewebe enthält Fremdkörper, beispielsweise Bestandteile von Gräsern. „Ich mache dann die Produktionswerke auf den Fehler aufmerksam und ermittle die Ursache.“ Hierfür kann Sylvia Kürzinger im internen Netzwerk der Firma alle Daten aus der Produktion abrufen: „Die Werke machen ja auch Prüfungen und müssen Daten und Parameter abspeichern. Ich kann dann in unserem System prüfen, ob der Fehler zum ersten Mal auftritt.“ Bei neuen Fehlern gibt die Qualitätsingenieurin die reklamierte Ware an ein externes Labor, das in aufwendigen Analysen nach der Ursache für den Mangel sucht. Sobald sie von dieser erfahren hat, informiert Sylvia Kürzinger das Produktionswerk und spricht mit den Vertriebsmitarbeitern ab, wie sie gegenüber dem Kunden mit den Mängeln umgehen sollen. In manchen Fällen können die Garne noch nachträglich repariert, in anderen müssen sie komplett ersetzt werden.

Zur Aufgabe der Qualitätsingenieurin gehört es aber auch, dafür zu sorgen, dass solche Fehler künftig seltener entstehen. „Ich arbeite Maßnahmen aus, um Verunreinigungen oder Gewebefehler künftig zu verhindern. Diese Maßnahmen übermittle ich an unsere Werke. Dazu spreche ich mich auch mit dem Qualitätsmanagement vor Ort ab.“ In vierteljährlichen Abständen erstellt Sylvia Kürzinger eine Übersicht, die zeigt, ob sich die Fehleranzahl in den Werken reduziert hat und ob Handlungsbedarf besteht. Etwa einmal jährlich reist sie nach China, Polen oder Rumänien, um sich in den Werken vor Ort ein Bild zu machen und Probleme direkt mit den Produktionsleitern zu besprechen.

Diplomatisches Geschick verlangt

Um kompetent Fehler aus der Ferne beurteilen zu können, muss die Ingenieurin die Produktionsprozesse von A bis Z kennen. Sie muss sich mit der Weberei, der Spinnerei, der Strickerei und den verwendeten Materialien auskennen, jeden neuen Fall mit Neugier angehen und sich kontinuierlich fortbilden. Die fachlichen Grundlagen dafür hat sie im Studium „Textiltechnologie und -management“ an der Hochschule Reutlingen erworben.

An ihrer Arbeit gefällt ihr aber nicht nur der technische Anspruch. „Das vielleicht Wichtigste ist die Kommunikation: Ich habe mit den Vertriebsagenten unseres Unternehmens, manchmal mit Kunden und oft mit den Zulieferern aus aller Welt zu tun.“ <<

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