Ingenieur/in – Schiff­bau und Meeres­technik

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Civil Structural Engineer

Tätigkeitsfelder:

Produktionsplanung, -steuerung; Qualitätssicherung, -management

Abgeschlossenes Studium in:

Schiffbau und Meerestechnik

BERUFENET:

Ingenieur/in – Schiffbau und Meerestechnik

Ich arbeite im Team, bin viel in Meetings und kann mein Interesse für Technik perfekt mit dem Projektmanagement vereinen.

Zusammenspiel von Meer und Stahl

Bernadette Zipfel (32) ist promovierte Schiffbau-Ingenieurin und hat sich auf einen Sonderfall der maritimen Technik spezialisiert: Sie konstruiert, plant und betreut Offshorewindparks.

In ihrer Gymnasialzeit hat Bernadette Zipfel Segeln als Leistungssport betrieben, war von Berlin aus viel an der Küste und bastelte gerne an ihrem Boot. Sie entschied sich dazu, Schiffbau an der Technischen Universität in Hamburg zu studieren, und schloss mit dem Diplom ab. „Die ersten zwei Studienjahre sind die härtesten. Nach den Grundlagenfächern waren wir zwei Drittel weniger Studierende als am Anfang. Aber es lohnt, sich durchzukämpfen.“

Danach folgte die Promotion: „Mit dem Doktortitel kann ich beweisen, dass ich die nötige Fachkenntnis besitze. Meine anfängliche Befürchtung, mich in der Männerdomäne als Frau besonders behaupten zu müssen, war bislang unbegründet“, sagt Bernadette Zipfel. In ihrer Doktorarbeit „Die Strukturantwort von gestrandeten Schiffen“ widmete sie sich der Frage, welche Auswirkungen eine Strandung auf die Struktur von Schiffen haben kann, wenn keine Maßnahmen zur Bergung ergriffen werden.

Schiffbauer sind vielfältig einsetzbar

Auch ihr jetziger Beruf befasst sich mit dem Thema Stahl und Meerwasser. Für innogy in Hamburg plant Bernadette Zipfel zurzeit zwei große Offshorewindparks: „Meine Abteilung beschäftigt sich mit allem, was unterhalb der Turbine ist, mit den Fundamenten, die im Wasser und im Boden stehen und die Windkraftanlage tragen“, sagt sie. „Ich bin dafür zuständig, dass die Konstruktionen auch halten.“

Neben technischen Daten hat sie viel mit Menschen zu tun: „Ich arbeite im Team, bin viel in Meetings und kann hier mein Interesse für Technik perfekt mit dem Projektmanagement vereinen.“ Mit ihrer Vollzeitstelle ist sie hochzufrieden: „Ich habe flexible Arbeitszeiten und kann auch zu Hause arbeiten. Das ist wunderbar mit meiner Familie vereinbar.“ Was für eine Alternative Bernadette Zipfel gehabt hätte? „Der Schiffbau in Deutschland besteht im Wesentlichen aus Marineschiffen, Kreuzfahrtschiffen oder Riesenjachten. Bei meiner Jobsuche hat sich herauskristallisiert, dass mich der Offshore-Bereich am meisten reizt, und der hat ja auch viel mit Schiffen zu tun, denn die Windräder werden vom Schiff aus installiert."

Sicheres Fundament auf hoher See

Die Planung eines Windparks auf See erfolgt in mehreren Stufen: „Erst muss der Meeresboden vermessen und die Position der einzelnen Windkraftanlagen festgelegt werden“, sagt die Ingenieurin. „Dabei sind die Abstände zwischen den Anlagen wichtig, damit sie sich nicht gegenseitig den Wind wegnehmen. Die Turbinen können fast einen Kilometer weit auseinanderstehen, denn die Windkraftanlagen, die wir einsetzen wollen, haben gigantische Dimensionen.“ Allein die Rotoren haben einen Durchmesser von bis zu 180 Metern. Damit die Anlagen sicher stehen, braucht es stabile Fundamente. „Für die Auswahl und Ausführungsplanung dieser Strukturen bin ich zuständig. Die Fundamente werden optimal auf den ausgewählten Standort, sprich die Bodenbeschaffenheit und Wassertiefe, aber auch auf den ausgewählten Turbinentyp angepasst“, erklärt Bernadette Zipfel. So entsteht Stück für Stück der gesamte Windpark. Dabei muss alles ineinandergreifen. Vom ersten Schritt bis zum wirklichen Bau können mehrere Jahre vergehen. <<

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