Ingenieur/in – Roh­stoff­gewinnung und -auf­bereitung

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Produktionsingenieur für Baustoffe

Tätigkeitsfelder:

Produktionsplanung und -steuerung; Rohstoffgewinnung

Abgeschlossenes Studium in:

Bergbautechnologie

BERUFENET:

Produktionsingenieur/in;
Ingenieur/in – Rohstoffgewinnung und -aufbereitung

Der Steinbruch ist als umgestaltete Landschaft auch ein Biotop.

Aus Stein wird Baustoff

Jörg Heimburg (30) arbeitet ganz am Anfang der Zement-Produktionskette: Der Ingenieur leitet einen Steinbruch und sorgt dafür, dass Kalkstein, ein wichtiger Grundstoff für dieses Baumaterial, aus der Erde geholt und weiterverarbeitet wird.

Fast alles, was gebaut wird, beginnt mit Kalkstein. Dieses Sedimentgestein entstand in vielen Millionen Jahren aus Korallen, Plankton oder Knochen. Vermischt mit weiteren Rohstoffen wird Kalkstein zu Zement verarbeitet und in Brücken, Häusern und Straßen verbaut. Jörg Heimburg arbeitet am Beginn der Produktionskette des Zements. Der 30-Jährige leitet für den Baustoffhersteller OPTERRA einen Kalksteinbruch in Wössingen bei Karlsruhe.

Der gebürtige Österreicher hatte zunächst im österreichischen Leoben ein Studium in Bergbauingenieurwesen abgeschlossen. Anschließend hat er in Bosnien und Libyen gearbeitet, bevor er nach Deutschland gezogen ist. Viele seiner Kollegen in der Zementherstellung haben dagegen einen Studienhintergrund in Werkstoffwissenschaften.

Der Steinbruch wandert „kontrolliert

Im Steinbruch werden am Tag 5.000 Tonnen Kalkstein abgebaut. Die zwölf Mitarbeiter des Ingenieurs bohren zunächst Explorationslöcher, um die Qualität des Kalksteines zu erkunden, und dann Sprenglöcher, um die Steine aus dem Boden zu sprengen. Große Bagger schütten die bis zu einen Meter großen Steinbrocken dann in den sogenannten Brecher, der sie weiter zerstößt, bis sie nur noch etwa fünf Zentimeter groß sind. Anschließend werden die Kalksteine mit Sand, Gips und eisenoxidhaltigen Stoffen vermischt.

Jörg Heimburg hält bei diesen Vorgängen die Fäden in der Hand. Er sorgt dafür, dass seine Mitarbeiter alle Sicherheitsvorschriften einhalten, ruft die Techniker, wenn eine Anlage nicht funktioniert, und plant jeden Schritt der Produktion. Ebenso ist er für die weitere nachhaltige Entwicklung des Steinbruchs verantwortlich. „Da wir jeden Tag Steine abbauen, wandert der Bruch immer weiter. Ich steuere diese Wanderung.“ Dazu markiert er in einem Computermodell des Steinbruchs, wo und wann neue Explorationslöcher gebohrt und Sprengungen durchgeführt werden sollen. „Aus diesen Planungen folgen die Budgetierung und Feinplanung: Wie viele Leute brauche ich, ab wann brauche ich neue Maschinen, und so weiter.“

Vom Sprengloch zum Biotop

Beim Planen des weiteren Abbaus muss Jörg Heimburg viele Faktoren berücksichtigen: „Eine Rolle spielt etwa die Distanz zum Werk, aber auch zu den umliegenden Dörfern, deren Bewohner ich vor den Sprengungen informiere“, erklärt der Ingenieur. Ebenso bezieht er die Qualität der Steinvorkommen, rechtliche Vorschriften und Umweltschutzaspekte in die Planung ein. „Der Steinbruch ist als umgestaltete Landschaft auch ein Biotop. Hier lassen sich seltene Pionier-Arten nieder, die neues Gebiet besiedeln, etwa die Kreuzkröte.“ Gemeinsam mit Umweltschutzfachleuten sorgt Jörg Heimbuch dafür, dass die Bereiche des Steinbruchs, wo nicht mehr abgebaut wird, fachgerecht renaturiert werden, also zum Beispiel Obstbäume gepflanzt werden. Trotz all dieser organisierenden Tätigkeiten ist der Ingenieur auch noch viel selbst auf dem Steinbruchgelände unterwegs. Hier bekommt er zu Gesicht, was ihn mit am meisten fasziniert: wie sich der Steinbruch unter seiner Regie weiterentwickelt. <<

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