Ingenieur/in – Rettungs­wesen

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Unfallforscherin

Tätigkeitsfeld:

Gutachter-, Sachverständigentätigkeit

Abgeschlossenes Studium in:

Rettungsingenieurwesen

BERUFENET:

Ingenieur/in – Rettungswesen

Wir arbeiten sehr eng zusammen, um die Fahrzeuge in puncto Sicherheit ständig zu optimieren.

Detektivarbeit am Unfallort

Rettungsingenieurin Vera Hertler (31) analysiert, was bei einem Unfall konkret mit dem Fahrzeug und den Insassen passiert ist. Ihre Erkenntnisse fließen in die Entwicklung neuer Modelle ein. So soll die Sicherheit für die Autofahrer erhöht werden.

Über eine Infozeitschrift hat Vera Hertler vom interdisziplinären Studium Rettungsingenieurwesen erfahren und war sofort begeistert. Die nötige Vorpraxis für das Studium an der FH Köln und der HAW Hamburg erwarb sie beim Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr Oberhausen. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich noch während des Studiums die Ausbildung zur Werkfeuerwehrfrau und nach meinem Bachelor eine zweijährige Ausbildung zur Brandoberinspektorin absolviert habe“, erzählt Vera Hertler. Nach dreijähriger Tätigkeit im Einsatzleitdienst bei der Werkfeuerwehr im Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim wechselte die Ingenieurin dann intern auf ihre aktuelle Stelle. „Ich bin Sachbearbeiterin in der Unfallforschung in der Entwicklung der Van-Sparte unseres Konzerns“, erzählt die 31-Jährige und ergänzt, dass sie das Studium gut auf ihren Beruf vorbereitet hat.

Rekonstruktion des Unfalls

Ein großer Bestandteil ihrer Arbeit ist die Unfallrecherche. „Ich suche im Internet die Berichterstattung nach Unfällen ab, in die die von mir betreuten Automodelle involviert sind. Manchmal bekommen wir auch Hinweise von Händlern und Werkstätten.“ Gibt der Fahrzeughalter das Unfallfahrzeug für die Begutachtung frei, fährt Vera Hertler mit einem Kollegen zur Besichtigung an den Unfallort, um Messungen durchzuführen und den Unfallhergang so genau wie möglich zu rekonstruieren. Hierbei hilft auch die Befragung der Rettungskräfte sowie der Insassen des Unfallwagens, sofern deren Gesundheitszustand es zulässt. Bei der genauen Inaugenscheinnahme des Unfallfahrzeugs gilt es, eine Reihe von Fragen zu beantworten: Was hat der Aufprall mit den einzelnen Bauteilen des Fahrzeugs gemacht? Wie genau hat sich der Unfall ereignet? Wie wurden die Insassen des Wagens verletzt? Welche Sicherheitssysteme wurden durch den Unfall im Fahrzeug aktiviert? Die Rettungsingenieurin fotografiert und vermisst das Fahrzeug, führt Diagnosen der Steuergeräte durch und dokumentiert die Ergebnisse akribisch. „Man braucht ein detektivisches Gespür und einen Finderwillen, um die Unfallmechanismen und Kräftewirkungspfade nachzuvollziehen.“

Statistiken erstellen

Die gesammelten Daten wertet die Unfallforscherin aus und bespricht sie mit den Kollegen in der Entwicklungsabteilung. „Wir arbeiten sehr eng zusammen, um die Fahrzeuge in puncto Sicherheit ständig zu optimieren.“ Umgekehrt erstellt sie Statistiken, um beispielsweise die Relevanz fahrzeugtechnischer Neuerungen für die Unfallvermeidung zu überprüfen. „So zeigen Statistiken zum Beispiel, dass die Einführung elektronischer Stabilitätsprogramme im Transporter-Segment Unfälle durch Abkommen von der Straße merklich reduziert haben.“

Neben ihr arbeiten vor allem Maschinenbau- und Fahrzeugtechnikingenieure in der Unfallforschung. „Ich habe einen Bürojob mit entsprechenden Reisezeiten zu den Unfallorten. Hier ist Flexibilität gefragt, aber unser Gleitzeitmodell erlaubt es mir, Privates und Beruf sehr gut zu vereinbaren“, sagt Vera Hertler. <<

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