Ingenieur/in – Mark­scheide­wesen

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Markscheiderin

Tätigkeitsfeld:

Datenerhebung, -analyse

Abgeschlossenes Studium in:

Markscheidewesen und Geodäsie

BERUFENET:

Ingenieur/in – Markscheidewesen

Der Bergbau war ein Glücksgriff.

Vermessung unter Tage

Fast einen Kilometer unter der Erde gibt Kristin Große-Allermann (30) die Richtung vor. Die Markscheiderin führt für ein Bergbauunternehmen Vermessungen durch. Sie errechnet etwa, wie die Stollen in einem Salzbergwerk verlaufen sollen.

Tief unter der Erde rund um Magdeburg in Sachsen-Anhalt winden sich die Stollen des Salzbergwerkes der Firma K + S. Kristin Große-Allermann und ihr Messteam sorgen dafür, dass die Stollen und Schächte eine neue Salzlagerstätte erreichen und deren Verlauf in ein Kartenwerk eingespeist wird. „Als Markscheiderin bin ich so etwas wie eine Straßenplanerin unter Tage. Ich muss dreidimensional denken, also nicht nur die Himmelsrichtung berechnen, sondern auch die Steigung oder das Gefälle“, erklärt die 30-Jährige.

Unter der Erde funktioniert kein GPS

In den gut 700 Meter tiefen Stollen vermisst Kristin Große-Allermann mit ihrem Messteam jeden Winkel. „Da unter Tage das GPS nicht funktioniert, messen wir ganz klassisch mit dem Tachymeter Festpunkte ein, die an den Firsten sind, also an den Dächern der Stollen.“ Da sich die Stollen weit verzweigen, zählt jeder Millimeter. Ansonsten drohen die Stollen die Lagerstätten zu verfehlen. Exaktes Arbeiten und genaues Rechnen sind daher Grundvoraussetzungen in Kristin Große-Allermanns Beruf.

Ihr Handwerk hat sie an der Technischen Universität Freiberg gelernt, wo sie Markscheidewesen und Geodäsie studiert hat. „Eigentlich wollte ich Vermesserin werden. Der Bergbau war dann ein Glücksgriff.“ Nach dem Studium hat die Ingenieurin ein Referendariat im Öffentlichen Dienst bei einer Bergbehörde gemacht. „Damit wird man Assessor. Das ist die Voraussetzung für die Anerkennung als Markscheiderin – selbst wenn man als solche in der freien Wirtschaft tätig sein will.“ Im Anschluss wechselte Kristin Große-Allermann zu dem Bergbauunternehmen und ist dort nun für sämtliche Spezialvermessungen zuständig. Unter Tage misst sie etwa auch die Koordinaten von alten und neuen Schächten aus, indem sie ein gut 700 Meter langes Lot hinabsenkt. Über Tage ist sie für die Vermessung von Gebäuden oder Fabrikhallen im Werk verantwortlich.

Große Halden bewegen den Boden

„Ich vermesse auch die Bodenbewegungen, die durch den Bergbau entstehen. So senken etwa die unterirdischen Gruben den Boden ab, was ich regelmäßig mit dem Nivelliergerät nachmesse.“ Auch die Halden, riesige Berge von nicht genutztem Steinsalz, bewegen durch ihr schieres Gewicht den Boden. „Mein Team und ich setzen Messpunkte auf dem Feld. Dann vermesse ich mit dem Tachymeter, wie sich der Boden verändert hat.“

Darüber hinaus ist die Markscheiderin dafür zuständig, das sogenannte Risswerk zu pflegen. In diesem werden sämtliche Karten der Bergwerke aufbewahrt. „Wir haben zum Teil sehr alte Karten, die ich manchmal brauche, um alte Stollen neu zu vermessen.“ Meistens erstellt sie im Risswerk jedoch eigene Karten aufgrund ihrer Vermessungen. Dafür benutzt sie natürlich moderne Computerprogramme, zum Beispiel CAD-Systeme. Wenn das Bergamt Einsicht in das Risswerk nimmt, ist Kristin Große-Allermann dafür verantwortlich, dass die Beamten und Beamtinnen die richtigen Karten erhalten. Ihr Job bedeutet also auch viel Büroarbeit. Am liebsten sind der Markscheiderin aber vor allem die Aufgaben im Bergwerk. „Mir gefällt die Atmosphäre unter Tage.“ <<

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