Ingenieur/in – Glas, Keramik, Binde­mittel

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Ingenieur für Glastechnik

Tätigkeitsfelder:

Glasherstellung und -verarbeitung; Produktionsplanung und -steuerung

Abgeschlossenes Studium in:

Maschinenbau mit Schwerpunkt Werkstofftechnik (Glas)

BERUFENET:

Ingenieur/in – Glas, Keramik, Bindemittel

Es ist schwierig, Ersatzteile für die Maschinen zu finden. Daher sorge ich dafür, dass die Anlagen gut gewartet werden.

Hochsensibles Material

Als Abteilungsleiter in der Glasverarbeitung plant und optimiert der Maschinenbau- und Werkstoffingenieur Osman Deniz (34) die Fertigung. Neben technischem Verständnis braucht er auch ein Gefühl für den besonderen Werkstoff.

Glas für Fernseher, Schutzmasken, Displays, Stadionleuchten. Dickes Glas, dünnes Glas, entspiegeltes, gehärtetes, verbundenes Glas. Osman Deniz hat mit Tausenden verschiedener Arten von Glas zu tun. Der 34-Jährige ist Abteilungsleiter der Nasszone im Unternehmensbereich Technische Gläser der Berliner Glas Gruppe am Standort Schwäbisch Hall. In dieser Abteilung säumen 13 Mitarbeiter die Kanten und Ecken von Glasscheiben, härten das Glas durch chemische oder thermische Verfahren und prüfen, ob die Scheiben fehlerfrei sind. Als Ingenieur im Glasbereich müsse man, meint Osman Deniz, „wie ein Schweizer Taschenmesser sein“: Man braucht nicht nur die technischen Kenntnisse eines Ingenieurs, sondern muss ein Gefühl für den Werkstoff entwickeln.

7.000 Glasscheiben pro Woche

Studiert hat der Ingenieur Maschinenbau an der FH Rüsselsheim. Auf Glas hat er sich nicht nur im Rahmen seines Schwerpunktes der Werkstofftechnik spezialisiert: „Ich komme aus Mainz und habe dort bei einem großen Glasbearbeiter als Werkstudent gearbeitet und meine Diplomarbeit geschrieben.“ Es gibt zwar auch spezielle Studiengänge für Glastechnik, doch das Arbeitsfeld steht auch Ingenieuren anderer Fachrichtungen offen, etwa aus der Elektrotechnik oder eben dem Maschinenbau.

Als Abteilungsleiter der Nasszone besteht Osman Deniz’ Arbeit vor allem im Planen und Organisieren. „Wir bearbeiten rund 7.000 Glasscheiben pro Woche. Ich mache erst einen groben Plan, wann welche Produkte in welcher Anzahl fertig sein müssen, und plane dann fein, mit welcher Maschine und mit wie vielen Mitarbeitern sie bearbeitet werden.“ Die Mitarbeiter des Ingenieurs säumen die Kanten und brechen die Ecken der Glasplatten, um zu verhindern, dass es bei der weiteren Verarbeitung zu Verletzungen kommt. Dazu verwenden sie Säummaschinen, die durch Schleifbänder mit Siliziumkarbid die scharfen Kanten abtragen. Anschließend kommen die Platten in eine Flachglaswaschmaschine, die den Schleifstaub wegputzt. Danach prüfen die Mitarbeiter, ob das Glas Materialfehler aufweist und allen Anforderungen, etwa an die Entspiegelung, gerecht wird.

Mitarbeiter und Maschinen

Bei den Maschinen handelt es sich teils um Spezialanfertigungen. „Es ist schwierig, Ersatzteile zu finden. Daher sorge ich dafür, dass die Anlagen gut gewartet werden, und finde kreative Lösungen, wenn wir sie für neue Projekte umbauen.“ Zugleich optimiert Osman Deniz die Prozesse. „Wir haben vor Kurzem einen Handlingsroboter beschafft, der die Scheiben aufnimmt und auf die Kantensäumanlage legt. Derzeit programmiere ich den Roboter und mache Versuche. Ziel ist es, dass er auch die Kanten säumt.“

Als Abteilungsleiter prägt auch der Umgang mit den Mitarbeitern den Alltag des Ingenieurs. „Wir sind ein Team mit vielen verschiedenen Typen. Ich sorge dafür, dass wir harmonisch zusammenarbeiten.“ Unter anderem teilt er die Mitarbeiter ein, schreibt die Urlaubspläne und leitet Auszubildende an. Gerade diese Vielfalt an Aufgaben zwischen dem Werkstoff Glas, den Maschinen und den Mitarbeitern ist der Aspekt seines Berufes, für den sich Osman Deniz immer wieder begeistern kann. <<

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