Ingenieur/in – Farben, Lacke

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Ingenieurin für Farbe und Lacke

Tätigkeitsfelder:

Farben-, Lackherstellung, Beschichtung; Laboranalyse; Verfahrens- und Produktentwicklung

Abgeschlossenes Studium in:

Farb- und Lacktechnik

BERUFENET:

Ingenieur/in – Farben, Lacke

Das sind die Momente, in denen ich meine Arbeit von ganzem Herzen liebe.

Ein bunter Beruf

Die Ingenieurin Carina Deschamps (26) erforscht, wie man Lacken und Farben neue Eigenschaften verleiht. Zum Erfolg führen Fachwissen und Kreativität, aber auch das geduldige Wiederholen von Experimenten.

Wer kennt das nicht? Man streicht eine Wand, und entweder spritzt einem die Farbe ins Gesicht oder sie fließt so zähflüssig, dass sich Nasen auf der Wand bilden. Teilweise liegt dies sicherlich am mangelnden Geschick des Hobbymalers – oft aber auch an der Farbe. Eben dieses Fließverhalten der Farben zu optimieren, ist eine der Aufgaben von Carina Deschamps in der Entwicklungsabteilung der Firma OMG Borchers. „Wir stellen Additive her, die man Farben und Lacken beigibt, um ihre Eigenschaften zu beeinflussen.“ Die Additive haben beispielsweise Auswirkungen darauf, wie zähflüssig eine Farbe ist, wie sehr ein Lack glänzt oder wie beständig er gegen Schmutz, Staub oder Kratzer ist. „Wir verbessern bestehende Produkte und entwickeln neue“, erzählt die 26-Jährige.

Von der Grundlagenforschung zum Experiment

Eine mögliche Produktneuheit kann beispielsweise ein Additiv sein, welches bewirkt, dass eine bestimmte Farbe schneller trocknet. „So etwas zu entwickeln, kann mehrere Monate oder sogar Jahre dauern.“ Zu Beginn des Prozesses recherchiert Carina Deschamps, ob es ähnliche Produkte auf dem Markt gibt, und wenn ja, ob Patente darauf liegen. Dann beginnt die Grundlagenforschung: „Meine Kollegen und ich finden heraus, ob es überhaupt möglich ist, ein solches Additiv herzustellen“, erklärt die Ingenieurin. „Wir überlegen uns, mit welchen Substanzen sich der Effekt erzielen lässt und ob es zu Wechselwirkungen mit anderen Bestandteilen des Lackes kommt.“ Ihre Chemiekenntnisse aus dem Studium, eine intensive Recherche sowie Kreativität und Geduld sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei diesen Schritten.

Danach beginnt die Ingenieurin mit langwierigen Experimenten. Sie wiegt die notwendigen Rohstoffe ab, gibt sie in einen Glaskolben und rührt sie mit einem elektronischen Rührgerät ein. Während dieses Prozesses, der sogenannten Polymerisation, verbinden sich die Rohstoffe zum Additiv – meist eine durchsichtige oder gelbe, zähflüssige Substanz, die dann in die Farbe oder den Lack eingearbeitet wird. Aufgetragen auf eine Tafel wird die Neuentwicklung dann verschiedenen Tests unterzogen.

Nicht jeder Versuch führt zum Erfolg

Je nach Ergebnis wiederholt Carina Deschamps das Experiment immer wieder. Sie variiert die Mischverhältnisse der Rohstoffe, die Temperatur der Polymerisation, die Dauer des Einrührens und weitere Parameter. Nicht jede Versuchsreihe führt zum Erfolg. „Es kommt auch vor, dass wir monatelang versuchen, ein spezielles Additiv zu erzeugen, und dann am Ende feststellen, dass es nicht machbar ist. Das ist zunächst schon frustrierend“, berichtet sie. Aber Aufgeben gilt nicht: „Wir überlegen dann, wie es besser gehen könnte – und fangen von vorne an.“ Diese Hartnäckigkeit ist es, die in der Entwicklung gefragt ist und die für Carina Deschamps auch den Reiz ihres Berufs ausmacht: sich etwas zu überlegen, die Idee umzusetzen und am Schluss zu sehen, dass es funktioniert: „Das sind die Momente, in denen ich meine Arbeit von ganzem Herzen liebe.“ <<

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