Ingenieur/in – Chemie­technik

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tätigkeitsfelder:

Laboranalyse; Verfahrens- und Produktentwicklung; Wissenschaftliche Forschung

Abgeschlossenes Studium in:

Chemieingenieurwesen

BERUFENET:

Ingenieur/in – Chemietechnik

Mittels Beschichtungen können viele Effekte an der Oberfläche hervorgerufen und kontrolliert werden.

Intelligente Oberflächen

Mikrometerdünne Oberflächenbeschichtungen können ganz spezielle Eigenschaften aufweisen. Die Ingenieurin für Chemietechnik Anne Gerten (26) beschäftigt sich mit den Anwendungsmöglichkeiten.

Anne Gerten hat am Standort Steinfurt der Fachhochschule Münster Chemieingenieurwesen studiert – erst den Bachelor, dann den Master. „Das ist ein Chemiestudium, bei dem die Schwerpunkte auf angewandter Chemie und chemischer Verfahrenstechnik liegen. Für mich war das genau die richtige Kombination, weil ich mich für die Forschung interessiere, aber immer mit Blick auf konkrete Anwendungsmöglichkeiten.“ Genau diesen Ansatz verfolgt ihr Arbeitgeber, das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. Hier geht es um die Verbindung von Forschung und Anwendung: Die Projekte zielen darauf ab, Prozesse in Unternehmen zu verbessern, um so kostengünstiger und umweltfreundlicher produzieren zu können.

Auf die Beschichtung kommt es an

Anne Gerten ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Funktionale Materialien, wo unter anderem an intelligenten Beschichtungen geforscht wird: „Mittels Beschichtungen können viele Effekte an der Oberfläche hervorgerufen und kontrolliert werden.“ In ihrem Alltag arbeitet die Chemieingenieurin an unterschiedlichen Projekten. Zum Beispiel beschäftigt sie sich mit der Beheizung von Windkrafträdern: Eine Beschichtung auf Basis von Kohlenstoffnanoröhren, mikroskopisch kleinen röhrenförmigen Gebilden, kann elektrischen Strom in Wärmeenergie umwandeln. Ziel ist es, herauszufinden, wie viel Energie und Zeit nötig sind, um Rotorblätter zu enteisen.

Als die 26-Jährige in das Projekt einstieg, waren ihre Kollegen bereits in der Testphase. Im Labor wurden die Kohlenstoff-Nanoröhren auf eine Materialprobe aufgetragen und in einem Windkanal unterschiedlichen Wetterbedingungen ausgesetzt. „Solche Tests dauern. In der Forschung braucht man sehr viel Geduld. Funktioniert es beim ersten Mal nicht, muss man umdenken, kreativ sein, von vorne anfangen.“ Außerdem ist es kein normaler Job mit Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr: „Wenn etwas Spannendes im Labor passiert, bricht man das Experiment nicht ab. Dafür ist es an anderen Tagen wieder ruhiger.“

Internationale Teamarbeit

Anne Gerten verbringt viel Zeit im Büro: Sie schreibt Berichte, plant Versuche oder wertet sie aus und bespricht mit Kollegen die Fortschritte. Sie ist aber auch oft im Labor, wo sie Tests durchführt. „Meist sind mehrere Forschungsinstitute und Industrieunternehmen beteiligt, sodass auch Meetings und Reisen anfallen. Bei EU-Projekten wird in der Regel auf Englisch kommuniziert.“

Ihre Kollegen und Kolleginnen kommen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen: Neben Chemikern sind je nach Thema auch Physiker, Maschinenbauingenieure, Verpackungstechniker oder Polymerwissenschaftler an den Projekten beteiligt. „Funktionale Materialien sind ein Querschnittsbereich, der viele Wissenschaften tangiert. Ich habe mich zum Beispiel in der Masterarbeit mit Hybriden aus Nanopartikeln beschäftigt.“

Mit Blick in die Zukunft hätte sie auch die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen: Ihr Arbeitgeber hat beispielsweise Niederlassungen in Japan. „Ob sich ein Austausch ergibt, hängt natürlich vom Thema ab, an dem man gerade arbeitet.“ <<

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