Heil­pädagoge/-pädagogin

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Heilpädagogin

Tätigkeitsfeld:

Heilerziehungspflege, Sonderpädagogik

Abgeschlossenes Studium in:

Heilpädagogik

BERUFENET:

Heilpädagoge/-pädagogin

Es ist immer wieder schön und spannend, sich aneinander heranzutasten.

Für ein selbstbestimmtes Leben

Als Heilpädagogin unterstützt, fördert und pflegt Katharina Müller (25) Menschen mit Behinderungen. Sie versucht, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit ihrer Klienten zu stärken – und auch nonverbal mit ihnen zu kommunizieren.

Katharina Müllers Arbeitstage sind klar strukturiert. „Das ist allen wichtig“, sagt die Heilpädagogin. „In unserer Förderstättengruppe starten wir Schritt für Schritt in den Tag: Die sechs Bewohner werden gebracht, dann gibt es ein gemeinsames Frühstück. Wir geben Essenshilfe, verabreichen Medikamente und starten die Pflege.“ Ihre Klienten haben Epilepsie, bekommen Medikamente und müssen teils über Sonden versorgt werden. Ein Gruppenraum und ein kleiner Raum mit Pflegebetten stehen Katharina Müller und ihren Kollegen dafür zur Verfügung.

Mimik, Gesten und Gefühle verstehen

„Wir kennen uns gut“, sagt die 25-Jährige. „Obwohl meine Klienten im Rollstuhl sitzen und keine Verbalsprache zwischen uns möglich ist, verstehen wir uns.“ Eine wichtige Rolle im Gruppenalltag der Heilpädagogin spielt die „Unterstützte Kommunikation“. Die Klienten können zum Beispiel über berührungsempfindliche Sensoren in ihrer Massagematte das Radio ein- und ausschalten – „ein echter Gewinn an Selbstständigkeit“, sagt Katharina Müller. Die Förderstätte wird von den Nürnberger Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte betrieben.

Mimik und Gestik – entsprechende Äußerungen kann sie lesen und verstehen, wenn sie etwa Menschen mit Behinderungen in ein Wasserbett legt, wenn sie mit ihnen kocht oder Musik macht. „Ich weiß, wie schnell die Behinderung hinter einer Persönlichkeit verblasst, wenn man jemanden wirklich kennenlernt“, sagt sie. Es gehe bei ihrer Arbeit nicht um Mitleid, vielmehr zähle die ganzheitliche Sicht auf den Menschen. „Beziehungsarbeit“ nennt die Heilpädagogin das.

Selbstständigkeit unterstützen

Schon als Jugendliche hatte Katharina Müller Menschen mit Behinderungen betreut und Ferienfreizeiten für Erwachsene organisiert. Später machte sie eine Ausbildung zur Erzieherin an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Schwäbisch Hall. Das Anerkennungsjahr verbrachte sie in einem Internat für Jugendliche mit Körperbehinderungen. „Das Spektrum reichte von der leichten Körperbehinderung bis zu schwersten Mehrfachbehinderungen.“ Begleitung und Pflege leistete sie genauso wie Trainings zur Stärkung des Selbst. „Mit einem behinderten Mädchen habe ich Ausflüge geplant, etwa einen Einkauf in einem Modegeschäft, um ihre Selbstständigkeit zu unterstützen.“ Durch die Arbeit dort intensivierte sich ihr Interesse an der Heilpädagogik, deshalb absolvierte sie ein entsprechendes Bachelorstudium an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg.

Ihre Bachelorarbeit schrieb Katharina Müller über die heilpädagogische Beziehungsgestaltung mit Menschen im Wachkoma. Dafür besuchte sie einen Mann, der sich seit Jahren in genau dieser Situation befand. „Ich durfte ihn fünf Monate lang begleiten, besuche ihn bis heute.“ Seitdem sind Menschen im Wachkoma ihr Interessenschwerpunkt. „Es ist immer wieder schön und spannend, sich aneinander heranzutasten“, sagt sie. „Auf ein ‚Wie geht es dir?’ erhalte ich natürlich keine direkte Antwort. Stattdessen muss ich die Persönlichkeit kennenlernen. Menschen mit Behinderungen sind so individuell wie Menschen ohne.“ <<

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