Geo­infor­matiker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Softwareentwickler, Projektleiter

Tätigkeitsfelder:

Softwareentwicklung; IT-Qualitätssicherung, -Testing

Abgeschlossenes Studium in:

Geoinformatik

BERUFENET:

Geoinformatiker/in

Auch die Güte des Holzes kann man in einer App vermerken.

Eine Menge Holz

Thomas Dobrzinski (35) verwandelt Bäume in Daten: Der Geoinformatiker programmiert Anwendungen, die in der Forst- und Waldwirtschaft genutzt werden, um Holzmengen zu zählen und Schädlinge aufzuspüren.

Thomas Dobrzinski ist Projektleiter bei der Firma INTEND Geoinformatik in Kassel. Er erstellt auf der Basis von Geodaten Apps für die Forst- und Holzwirtschaft. „Die Branche nutzt die technischen Möglichkeiten geografischer Informationssysteme, um ihre Arbeit effektiver zu organisieren.“ Vorbei sind die Zeiten, als Förster, Forstwirte und Holzeinkäufer alleine mit Stift und Papier arbeiten mussten.

Geodaten mit Fokus Wald

Der Wald ist längst digital vermessen. Mit entsprechenden Anwendungen lassen sich Baumeinschläge und Wegebau planen und die Aufforstung organisieren, Sturm- oder Schneeschäden erfassen und die Jagd managen. „Eine Anwendung kann zum Beispiel erfassen, wie viel Festmeter Holz ein Polter hat“, erläutert Thomas Dobrzinski. „Polter“, das sind die Stapel aus Baumstämmen ohne Äste, die jeder Waldspaziergänger kennt. „Auch die Güte des Holzes kann man in der App vermerken“, fährt der Geoinformatiker fort. „Und Wegkarten können den Fuhrleuten den Weg zu den Poltern im Wald und zurück ins Werk weisen.“

Gerade entwickelt der 35-Jährige eine weitere Anwendung, die einem gefährlichen Schädling nachspüren soll: Die Larven des nach Europa eingeschleppten Asiatischen Laubholzbockkäfers fressen Gänge durch die Bäume, bis diese absterben. Die fertige App soll direkt vor Ort im Wald die jeweiligen Bäume und etwaige Symptome wie Bohrlöcher oder Larven erfassen, Schäden an den Bäumen dokumentieren und weitere Daten aufnehmen: „Man kann in die App etwa Informationen einfügen, die für weitere Begutachtungen wichtig sind“, erklärt Thomas Dobrzinski. Zum Beispiel kann vermerkt werden, wenn der Standort eines Baums die Begutachtung erschwert.

Da jeder Forst- oder Holzbetrieb eigene Arbeitsabläufe hat, ist auch jedes der Projekte des Geoinformatikers anders: „Außerdem haben wir es bei jedem neuen Kunden mit anderen geografischen Daten und Informationen zu tun, die wir in die bestehende IT-Struktur einbauen müssen.“ Was genau die Anwendung können soll, klärt er in Absprache mit dem Kunden.

Fachwissen und ein offenes Ohr

Eingestiegen ist er bei seinem heutigen Arbeitgeber als Softwareentwickler. Er bekam erste Einblicke in die Forst- und Waldwirtschaft und schrittweise wuchsen seine Kenntnisse in diesem Bereich. „Ich bin kein Forstwirtschaftler, aber mit jedem Projekt ist auch hier mein Fachwissen gestiegen“, sagt er. „Schließlich muss ich ja in der Lage sein, mich in die Prozesse der Kunden hineinzudenken.“

Studiert hat er Geoinformatik auf Diplom an der Universität Münster; mittlerweile wird das Fach als Bachelor und Master angeboten. Wichtig sind in seinem Beruf neben dem Fachwissen unter anderem Flexibilität und Mobilität. Mehrmals im Monat besucht er Kunden in Deutschland und Österreich, mal einen, mal mehrere Tage.

Thomas Dobrzinski verteilt die Aufgaben im Team, bespricht sich mit den Kunden und seinen Entwicklern: „Man muss nicht nur die Technik beherrschen, sondern immer auch ein offenes Ohr haben“, sagt er. Als Projektleiter sitzt er an einer Schnittstelle: „Andere Geoinformatiker haben sich rein auf das Programmieren spezialisiert. Wo man seine Position findet, hängt von den eigenen Stärken ab.“ <<

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