Fach­arzt/-ärztin – Human­genetik

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Fachärztin für Humangenetik

Tätigkeitsfeld:

Ärztliche Diagnostik und Therapie

Abgeschlossenes Studium in:

Humanmedizin

BERUFENET:

Facharzt/-ärztin – Humangenetik

Für die Beratung muss man sich die meiste Zeit nehmen

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Einblicke ins Erbgut

Als Fachärztin für Humangenetik erstellt Heike Nelle (35) Diagnosen und berät Patienten, die wissen wollen, wie hoch das Risiko einer Erbkrankheit bei ihnen oder ihren Kindern ist.

Seit zehn Jahren arbeitet Heike Nelle in der Humangenetik, seit Anfang 2017 im medizinischen Versorgungszentrum für Pränatalmedizin und Genetik Nürnberg, das humangenetische Beratungen und Diagnostik anbietet. „In den Beratungsgesprächen kläre ich mit den Patienten zunächst einmal, ob in der Familie ein genetisches Risiko für erbliche Erkrankungen besteht“, sagt die 35-Jährige. „Wir besprechen dann, ob und wie wir welche Erbkrankheiten diagnostizieren können und was eine bestimmte Diagnose bedeutet – vor allem im Hinblick auf Risikovorsorge oder Familienplanung.“ Neben diesen Sprechstunden verbringt die Fachärztin ihren Arbeitsalltag überwiegend damit, Laborergebnisse auszuwerten und medizinische Befunde zu schreiben.

Auch psychologisch geschult

Für die Beratung muss man sich die meiste Zeit nehmen“, sagt Heike Nelle. „Die Patienten, die zu mir kommen, wissen zum Beispiel von Erbkrankheiten, Behinderungen oder Fehlbildungen in der Familie und machen sich Sorgen, dass sie auch bei ihrem Kind auftreten könnten. Aber auch Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sind dabei, Frauen mit wiederholten Fehlgeburten, die nach den Ursachen suchen, und in letzter Zeit häufiger Patienten, in deren Familie Tumorerkrankungen wie etwa erblicher Brustkrebs gehäuft auftreten.“ Weil sie in manchen Fällen auch schwerwiegende Befunde mitteilen muss, wurde Heike Nelle in ihrer Facharztausbildung auch psychologisch und im Konfliktmanagement geschult.

Der Weg in ihren Beruf führt über ein Studium der Humanmedizin und eine anschließende Facharztweiterbildung, die fünf Jahre dauert. Darin enthalten sind ein klinisches Jahr, zwei Jahre in der humangenetischen Beratung und zwei Jahre Labortätigkeit. „Das klinische Jahr kann man in unterschiedlichen Fachbereichen ableisten – ich habe damals auf einer Station der Kinderklinik gearbeitet“, erzählt sie. „In der Labor- und Beratungsphase habe ich dann die Tätigkeiten kennengelernt, die auch heute meinen Berufsalltag prägen.“ Die fünfjährige Weiterbildung schließt mit der Facharztprüfung vor der Landesärztekammer ab.

Den ganzen Menschen im Blick

Heike Nelle hat sich für die Humangenetik entschieden, weil sie dieses Fachgebiet schon vor ihrem Studium am interessantesten fand. „In einem Praktikum und im Studium wurde ich darin nur noch bestärkt“, sagt sie. „Positiv finde ich auch, dass es sich um eine sehr vielfältige Tätigkeit handelt, die sich trotzdem sehr gut mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Die Arbeitszeiten sind geregelt, und es gibt keine Nacht- oder Wochenenddienste.“ Alternativ hätte sie sich auch für die Kardiologie interessiert. „In meinem heutigen Fachgebiet habe ich aber nicht nur ein Organ, sondern den ganzen Menschen im Blick, das finde ich viel spannender“, sagt sie.

Wer sich für das Berufsbild interessiert, sollte Interesse am Fachgebiet und an der Laborarbeit mitbringen. „Das wichtigste ist aber die Freude am Umgang mit Menschen“, sagt Heike Nelle. „Ich habe mehrere Patienten am Tag, und viele Gespräche dauern länger als eine Stunde.“ <<

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