Ethno­loge/­Ethno­login

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Journalist

Tätigkeitsfeld:

Redaktion, Journalismus, Lektorat

Abgeschlossenes Studium in:

Europäische Ethnologie

BERUFENET:

Ethnologe/Ethnologin

Ich möchte wissen, was globale Entwicklungen mit den normalen Menschen machen.

Die richtigen Fragen

Martin Nejezchleba (34) arbeitet als freiberuflicher Journalist für verschiedene Medien. Die richtigen Fragen zu stellen und sich gesellschaftlichen Themen zu nähern – das hat er in seinem Ethnologie-Studium gelernt.

Was muss man studieren, wenn man Journalist werden will? Das Fach, meint Martin Nejezchleba, ist eigentlich nicht so wichtig: „Man sollte sich ein Themengebiet aussuchen, das einen wirklich interessiert und parallel zum Studium viele Praktika machen, auch in kleinen Lokalzeitungen. Man sollte so früh wie möglich Erfahrungen und Kontakte sammeln.“ Er selbst hat Ethnologie studiert, die Wissenschaft der Völker. Sie widmet sich Menschen und deren Zusammenleben. Ethnologen erforschen „das Fremde, das andere. Die klassischen Ethnologen blicken in die Ferne, und wir in der Europäischen Ethnologie untersuchen kulturelle Phänomene bei uns“, sagt Martin Nejezchleba. Er hat in Bamberg Europäische Ethnologie im Hauptfach und Kommunikationswissenschaften und Psychologie in den Nebenfächern studiert, damals noch mit dem Abschluss Magister.

Beobachten und niederschreiben

Die Studierenden lernen, zu beobachten und die beobachteten Dinge niederzuschreiben. „Das Wesentliche, das ich aus dem Studium für meinen Beruf als Journalist mitgenommen habe, sind Methoden, mit denen ich Situationen ergebnisoffen analysieren kann. Die Methoden zur Feldforschung und Interviewtechniken, die ich im Studium gelernt habe, sind ganz nah dran an dem, was ein guter Journalist machen sollte.“ Vor und während des Studiums absolvierte er diverse Praktika und Jobs in Redaktionen und arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft in der Pressestelle der Universität. Seine Magisterarbeit über Couchsurfing, das sich dem Thema alternatives Reisen in Zeiten von digitalen Netzwerken widmet, ist später in einem Verlag veröffentlicht worden.

Martin Nejezchleba wurde in Tschechien geboren und ist zweisprachig aufgewachsen. Er hat nach seinem Universitätsabschluss einige Jahre in Prag gelebt und als Redakteur für eine deutschsprachige Zeitung gearbeitet. Zudem hat er für das Prager Goethe-Institut ein Onlinemagazin aufgebaut und betreut. Doch er wollte als unabhängiger Journalist arbeiten. Deshalb kündigte er und arbeitet seither als freier Journalist.

Tief greifende Geschichten

Seither schreibt er für überregionale Zeitungen Artikel und produziert Hörfunkbeiträge. Um seine Perspektiven und sein Netzwerk zu erweitern, bewarb er sich zusätzlich um einen Platz an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Im Rahmen der crossmedialen Ausbildung hospitiert und praktiziert er derzeit bei Printmedien, beim Hörfunk, beim Fernsehen und in Onlineredaktionen. Im Moment ist er Teil der Investigativ-Redaktion der Wochenzeitung „Die Zeit”, für die er auch ins Ausland reist. „Wir unternehmen hier unglaublich aufwendige Recherchen, um Hintergründe und tief greifende Geschichten zu erzählen“, sagt er. Für sich selbst hat Martin Nejezchleba eine klare Aufgabe definiert: „Mich interessieren die großen Themen wie die Flüchtlingskrise, Globalisierung oder der Klimawandel. Ich will Menschen eine Stimme geben. Und ich möchte wissen, was globale Entwicklungen mit den normalen Menschen machen. Den Menschen zu erklären, was hinter den Schlagzeilen steht, darin sehe ich meine Aufgabe als Reporter.“ <<

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