Chemiker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Senior Manager Compound Development

Tätigkeitsfeld:

Verfahrens- und Produktentwicklung

Abgeschlossenes Studium in:

Chemie

BERUFENET:

Chemiker/in

Ob Schuhe oder Geschirrspüler: Ich kann das Ergebnis unserer Arbeit überall sehen.

Von der Idee bis zum Produkt

Jasmin Nitsche (32) leitet bei einem Chemiekonzern eine Forschungs- und Entwicklungsgruppe für Kunststoffe. Die Chemikerin stellt den Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten sicher – vom Auftragseingang bis zur Großproduktion.

Im Chemiepark Marl arbeiten rund 10.000 Menschen in etwa 40 Unternehmen – unter anderem beim Spezialchemiekonzern Evonik. Die Polymerchemikerin Dr. Jasmin Nitsche ist dort Gruppenleiterin in der Forschung und Entwicklung im Bereich Hochleistungskunststoffe. „Wir verkaufen Kunststoffgranulate an Firmen, die daraus Teile – sogenannte Halbzeuge – fertigen, zum Beispiel Schuhsohlen, Benzinleitungen, Bauteile für regenerative Energieanlagen, Skioberflächenbeläge, Brillengläser oder Fasern für Textilien“, erklärt die 32-Jährige. „Diese Teile verkaufen die Firmen wiederum zum Beispiel an Auto- oder Schuhhersteller.“

Dutzende Projekte parallel

Als Gruppenleiterin ist sie für sechs Mitarbeiter verantwortlich und koordiniert parallel über 30 Projekte. Die Themen reichen von kleineren Produktanpassungen über große Entwicklungsprojekte bis hin zu öffentlich geförderten Projekten und Kooperationen mit Universitäten. Manche dauern nur wenige Monate, andere laufen über mehrere Jahre: „Ich muss den Überblick behalten, strukturiert arbeiten und vor allem klar kommunizieren können“, erzählt Jasmin Nitsche. Und sie steht ständig in Kontakt mit Kunden, Mitarbeitern und Zulieferern.

Studiert und promoviert hat sie Chemie an der Universität Hamburg. Eine Promotion ist in den Naturwissenschaften durchaus üblich: „Eine Doktorarbeit ist auf jeden Fall eine gute Vorbereitung, wenn man Projekte managen will“, sagt sie. Viele ihrer Kollegen bringen einen ähnlichen wissenschaftlichen Hintergrund mit.

Kundenaufträge betreut sie von der Idee über die Entwicklung bis zum Produkt: „Am Anfang nehmen wir die Anforderungen an das Material auf und halten fest, welche Eigenschaften es haben soll: Wird es Zugluft oder Hitze ausgesetzt sein? Soll es leitfähig sein? Dann überlegen wir, welche Polymere sich eignen und welche Zusatzstoffe sinnvoll wären.“ Im sogenannten „Technikum“, einer Art Zwischenabteilung zwischen Labor und Großproduktion, werden die neuen Kunststoffe dann zunächst in kleinem Maßstab hergestellt.

Trends aufspüren, mit Zulieferern verhandeln

Jasmin Nitsche sorgt dafür, dass die Informationen zwischen allen Beteiligten reibungslos fließen, spürt im Gespräch mit den Kunden neue Trends auf, wertet Forschungsergebnisse aus, arbeitet mit dem Marketing zusammen, verhandelt mit Zulieferern über Zusatzstoffe für die Kunststoffveredlung und befasst sich mit Zulassungsverfahren.

Den Großteil ihrer Zeit verbringt sie am Schreibtisch: Sie telefoniert, schreibt E-Mails und kommuniziert per Videokonferenz auch mit Mitarbeitern an anderen Standorten weltweit. Internationalität ist Alltag: „Man muss nicht nur Englisch sprechen können, sondern auch gewillt sein, mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenzuarbeiten.“ Ab und zu unternimmt sie auch Geschäftsreisen. Das Schöne an ihrer Arbeit ist für sie, dass sie die Materialien, die sie mitentwickelt, in so vielen Gebrauchsgegenständen wiederfindet: „Ob Schuhe oder Geschirrspüler: Ich kann das Ergebnis unserer Arbeit überall sehen.“ <<

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