Bio­physiker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tätigkeitsfelder:

Laboranalyse; Wissenschaftliche Forschung

Abgeschlossenes Studium in:

Biologie mit Schwerpunkt Biotechnologie und Physik

BERUFENET:

Biophysiker/in

Es bleibt immer spannend, was bei einem Versuch herauskommt.

Von Zellen, die durch Körper wandern

Vera Flad (30) arbeitet in einer biophysikalischen Forschungsgruppe. Im Labor kultiviert sie Zellen und experimentiert mit diesen. Dabei hat sie interessante Ergebnisse erzielt, die sie demnächst veröffentlichen will.

Eine menschliche Zelle bewegt sich so langsam, dass man es kaum sehen kann, aber sie macht es. Vera Flad nennt diese Bewegung von Zellen „Migration“. Die 30-Jährige beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit diesem Thema. „Ich arbeite als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Biophysik an der Uni Erlangen.“ Zuvor hat sie Biologie mit dem Schwerpunkt Biotechnologie und Physik studiert und ihre Diplomarbeit an einem Institut für biomedizinische Technik geschrieben. „Ich fand es schon immer spannend, wenn sich Biologie, Physik und Technik treffen.“ Mittlerweile gibt es auch spezielle Bachelor- und Masterstudiengänge für Biophysik, die den Weg in diesen Beruf eröffnen.

Experimente mit Zellkulturen

An der Universität ist Vera Flad einerseits in die Lehre und die Betreuung der Studierenden eingebunden. „Ich weise Bachelorstudenten ins Labor ein und zeige ihnen, wie man steril arbeitet, biophysikalische Versuche durchführt und Daten auswertet.“

Ihre Haupttätigkeit liegt aber in der Forschung: Im Labor kultiviert die Biophysikerin verschiedene Zellen, pipettiert Lösungen, reinigt die DNA, mikroskopiert, experimentiert und wertet Ergebnisse aus. „Ich bin die Einzige hier, die Biologie studiert hat. Manche Kollegen sind Physiker, manche sind Ingenieure, die neue Techniken entwickeln, um die Mechanik der Zellen zu untersuchen. Ich kenne die physikalischen Grundlagen dieser Techniken und wende sie an, um naturwissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten.“

Vera Flad erforscht – Achtung, Fremdwörter! –, wie die Phosphorylierung, also das Anhängen einer Phosphatgruppe, des Proteins Vinkulin in der Zelle mit der Kraftübertragung und dem Verhalten von Zellen zusammenhängt. Hierfür hat sie Zellen mit und ohne Vinkulin verglichen. Sie hat die Zellen kultiviert und verschiedenen, von ihren Kollegen entwickelten Tests unterzogen. „Wir heften etwa kleine Kügelchen an die Oberfläche der Zelle und ziehen an ihnen, bis diese sich lösen. An der notwendigen Kraft erkennen wir, wie steif eine Zelle ist.“ Oder sie färbt den Zellkern durch Mutationen ein, sodass er leuchtet, und gibt die Zellen auf ein Kollagen-Gel, das dem Körpergewebe ähnelt. Indem sie danach die leuchtenden Zellen unterm Mikroskop beobachtet, erkennt sie, wie schnell sie in das Gel einwandern.

Der Lohn vieler Versuche

Nach vielen Experimenten hat die Biophysikerin die Bestätigung gefunden, dass das Protein Vinkulin durch die Phosphorylierung aktiviert wird – und dass sich eine Zelle mit Vinkulin langsamer im Körper bewegt, weil sie besser auf der Oberfläche haftet. „Derzeit schreibe ich meine Ergebnisse nieder, um sie zu veröffentlichen.“ Die Erkenntnisse ihrer Grundlagenforschung könnten in Zukunft beispielsweise in neue Ansätze in der Krebstherapie einfließen.

Der Biophysikerin bereitet die Arbeit in der Forschung viel Freude: „Es bleibt immer spannend, was bei einem Versuch herauskommt. Man sieht nichts, pipettiert eine Lösung auf eine andere und hofft, dass passiert, was man erwartet. Toll, wenn es klappt und man etwas Neues entdeckt.“ <<

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