Bio­niker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Projektingenieur in der Luftfahrt

Tätigkeitsfeld:

Verfahrens-, Produktentwicklung

Abgeschlossenes Studium in:

Bionik

BERUFENET:

Bioniker/in

Die leichten Knochen von Vögeln oder die Schwungfedern von Raubvögeln hat man schon auf die Technik übertragen.

Von der Natur lernen

In der Luft- und Raumfahrttechnik dient die Knochenstruktur einzelner Tierarten als Vorbild für innovativen Leichtbau. Bioniker Max Seißler (24) nutzt als Konstrukteur sein Wissen am Schnittpunkt von Biologie und Technik.

Die Bionik sucht in der Natur nach Lösungen, um technische Anwendungen und Materialien zu verbessern und für die Industrie nutzbar zu machen. „Die Evolution hat besonders effiziente Lösungen hervorgebracht, von denen Ingenieure noch heute lernen können“, erklärt Max Seißler. Der 24-Jährige lässt als Projektingenieur beim Technologie-Beratungsunternehmen Altran in Hamburg sein Fachwissen in die Entwicklung von Flugzeugteilen einfließen. „Die leichten Knochen von Vögeln oder die Schwungfedern von Raubvögeln hat man schon auf die Technik übertragen, um den Kerosinverbrauch von Flugzeugen deutlich zu senken“, sagt er.

Von Knochen zu Tragflächen

Schon früh interessierte er sich für technische Entwicklungen, aber auch für Naturwissenschaften wie Biologie. Statt – wie viele seiner Kollegen – Elektrotechnik, Maschinenbau oder Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren, entschied er sich deshalb für Bionik an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. „Die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiengangs hat meinen Horizont erweitert“, sagt er. „Als einziger Bioniker in meiner Abteilung habe ich einen ganz anderen Blickwinkel als viele meiner Kollegen.“

Seine Bachelorthesis schrieb er bereits bei seinem heutigen Arbeitgeber: Er entwickelte eine Leichtbaustruktur für Flugzeugtragflächen, die sich an Knochen orientierte und sich mithilfe von 3-D-Druckern herstellen lässt. „Ein Flugzeug soll leicht sein, muss aber einen enormen Druck aushalten. Die Natur bietet dafür interessante Vorbilder“, sagt er.

Nach dem Abschluss bot man ihm eine feste Stelle an. „Obwohl mich eine akademische Forscherlaufbahn als Bioniker auch gereizt hätte, habe ich zugesagt, weil ich hier ebenfalls die Möglichkeit habe, bionische Entwicklungen weiter voranzutreiben“, erzählt Max Seißler.

Forschen, entwickeln, präsentieren

Im Unternehmen arbeitet er zurzeit in einem Team mit, das Flugzeugkabinen entwickelt – von der Außenhaut bis zu den Sitzen. Er entwirft seine Ideen mit einer speziellen Konstruktionssoftware. Dabei arbeitet er eng mit den Entwicklern der Auftragsfirmen zusammen. Die Ergebnisse präsentiert er beim Kunden und begleitet, wenn es zum Auftrag gehört, die Produktion und Inbetriebnahme des Bauteils.

Max Seißler nutzt sein akademisches Netzwerk und studiert regelmäßig Fachjournale, um sich in Sachen Bionik auf dem Laufenden zu halten. Momentan forscht er außerdem im Auftrag seines Arbeitgebers und in Zusammenarbeit mit einem Forschungszentrum an gedruckter Elektronik. „Auch das ist für den Flugzeugbau interessant, weil man zum Beispiel schwere Kabelstränge in der Kabine durch leichte, gedruckte Leitungen ersetzen könnte“, erläutert er. Seine Forschung präsentiert er zusammen mit Sales- und Marketing-Kollegen bei Fachmessen auf der ganzen Welt.

Durch die Projektarbeit mit Luft- und Raumfahrtfirmen sammelt Max Seißler jetzt erst einmal Berufserfahrung. Auch Auslandsaufenthalte an einem der internationalen Unternehmensstandorte würden ihn reizen. Und dann möchte er irgendwann seinen Master nachholen. <<

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