Bio­loge/Bio­login

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tätigkeitsfelder:

Laboranalyse; Wissenschaftliche Forschung; Lehrtätigkeit an Hochschulen

Abgeschlossenes Studium in:

Biologie (Bachelor); Genome Based Systems Biology (Master)

BERUFENET:

Biologe/Biologin

Das Schöne an meiner Forschung ist, dass man die Ergebnisse direkt sieht.

Die bunte Welt der Bakterien

Bakterien können vieles – etwa Biofarbstoffe herstellen. Um den entsprechenden Prozess zu optimieren, verändert die Biologin Nadja Henke (24) den bakteriellen Stoffwechsel mit gentechnischen Methoden.

Biopigmente wie Karotinoide sind Naturstoffe, die beispielsweise Früchten und Gemüse ihre Farbe geben. Sie werden unter anderem in der Lebensmittelindustrie als Zusatzstoffe verwendet. In ihrer Forschungsgruppe an der Universität Bielefeld am Lehrstuhl für Genetik der Prokaryoten – dabei handelt es sich um zelluläre Lebewesen ohne Zellkern – versucht Nadja Henke, die Bakterienstämme gentechnisch so zu verändern, dass sie mehr oder andere Pigmente produzieren.

„Ziel ist die gentechnische Optimierung des bakteriellen Stoffwechsels in Richtung einer vermehrten Pigmentsynthese, zum Beispiel durch Überführung von Genen anderer Organismen in die Bakterien. Das Schöne an meiner Forschung ist, dass man die Ergebnisse aufgrund der Farbe direkt sieht und dass sich daraus eine industrielle Anwendung ergeben könnte“, erzählt die 24-Jährige, die für ihre Forschung fundiertes genetisches und mikrobiologisches Fachwissen benötigt.

Bereits während ihres Biologiestudiums an der Universität Bielefeld hat sie sich auf Genetik spezialisiert. Zusätzliche Methodenkenntnis, etwa in Bioinformatik, baute sie im Masterstudiengang „Genome Based Systems Biology“ auf. „Viele meiner Kollegen kommen aus der Biotechnologie oder Biochemie. Als Biologin bin ich breiter aufgestellt“, findet die Doktorandin.

Sorgfalt gefragt

Da Nadja Henke mit gentechnisch veränderten Organismen experimentiert, ist sorgfältiges und steriles Arbeiten im Labor sehr wichtig. So schützt sie einerseits die Umwelt, und andererseits verhindert sie, dass ihre Experimente mit den mikroskopisch kleinen Organismen verunreinigt werden. Das Tragen von Schutzkleidung wie Kittel und Brille und die Desinfektion von Arbeitsplatz und Geräten sind Voraussetzung für ihre tägliche Arbeit. In ihren Experimenten kultiviert sie spezielle Bakterienstämme in Nährmedien und isoliert gezielt bestimmte DNA-Sequenzen. Diese Gene kann sie dann neu zusammenstellen und zielgenau in andere Bakterien einbringen. Die Genspender bestellt sie in gefriergetrocknetem Zustand von Anbietern weltweit. Die junge Biologin dokumentiert jeden einzelnen Forschungsschritt im Laborbuch präzise und klassifiziert zudem die verwendeten Gene und Mikroorganismen in einem speziellen Formular.

Zur Analyse der gebildeten Pigmente quantifiziert sie diese mit Analysegeräten und bereitet die Ergebnisse mittels statistischer Programme auf. „Auf dem Weg zu guten Ergebnissen braucht man eine hohe Frustrationsgrenze. Experimente werden oft auch an einem Wochenende beendet – und glücken nicht immer.“

Internationale Forschung

Nadja Henke muss bei ihrer Arbeit Handgeschick beweisen und strukturiert vorgehen, etwa wenn sie Flüssigkeiten pipettiert. Als Teil eines internationalen Forschungsteams braucht sie zudem gutes Fachenglisch und kulturelle Aufgeschlossenheit. Ihre Ergebnisse präsentiert sie bei Konferenzen weltweit und publiziert sie auf Englisch. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts übernimmt sie neben den Laborarbeiten außerdem noch Aufgaben in der Lehre. <<

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