Betriebs­wirt/in (Hoch­schule) – Inter­nationale Wirt­schaft; Ein­käufer/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Einkäuferin ätherische Öle

Tätigkeitsfelder:

Einkauf; Qualitätssicherung, -management

Abgeschlossenes Studium in:

Internationale Betriebswirtschaft – Interkulturelle Studien

BERUFENET:

Betriebswirt/in (Hochschule) – Internationale Wirtschaft; Einkäufer/in

Es geht darum, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Fairer Handel für eine bessere Welt

Lilli Kuhn (30) betreut den internationalen Einkauf ätherischer Öle für einen Kosmetik- und Arzneimittelhersteller, der natürliche Rohstoffe verarbeitet. Studiert hat sie internationale Betriebswirtschaft mit interkulturellem Schwerpunkt.

Für die Naturamus GmbH, eine Tochtergesellschaft der Wala-Heilmittel GmbH, kauft Lilli Kuhn ätherische Öle ein. „Meine Aufgabe ist es, unsere Herstellung zur richtigen Zeit mit den richtigen Mengen und der bestmöglichen Qualität an Rohstoffen zu versorgen.“ Die ätherischen Öle bezieht das Unternehmen aus der ganzen Welt. „Wir haben 150 ätherische Öle als Duftstoffe. Davon benötigen wir im Vergleich zu den fetten Ölen, wie beispielsweise Mandelöl, sehr geringe Mengen, denn geringe Einsatzkonzentrationen sind ausreichend, um ein Produkt zu parfümieren. Bei einigen Rohstoffen haben wir einen Jahresbedarf von einem Kilo, bei anderen von 100 Kilo oder mehr.“ Lilli Kuhn und ihre Kollegen initiieren auch faire Anbauprojekte für ihre Hersteller in Demeter- oder Bioqualität und schieben diese durch Finanzierungen an. „Für eine gute Qualität und langfristige Beziehungen zahlen wir oft mehr. Das können wir uns leisten, weil wir ein Stiftungsunternehmen sind."

Sprache als Zugang zu anderen Welten

Nach ihrem Realschulabschluss und einer Ausbildung zur Industriekauffrau war Lilli Kuhn klar, dass sie ihre Potenziale nicht ausgeschöpft hat. „Dass mir Sprachen liegen, habe ich schon früh gemerkt, und ich hatte immer Spaß an der Kommunikation mit anderen Kulturen.“ Am Berufskolleg Fremdsprachen erwarb sie ihre Fachhochschulreife, sodass sie anschließend an der Hochschule Heilbronn „Internationale Betriebswirtschaft –Interkulturelle Studien“ auf Bachelor studieren konnte. Im Studium werden betriebswirtschaftliches Wissen sowie interkulturelle Fähigkeiten vermittelt und spezielle Sprachen vertieft. „Ein Großteil der Vorlesungen findet auf Englisch statt. Außerdem waren die Sprachen Spanisch und Arabisch ein wichtiger Baustein im Studium.“ Ein Auslandssemester ist Pflicht, Lilli Kuhn verbrachte es im spanischen Granada. Im siebten Semester entscheiden sich die Studierenden im Kurs International Project Management für ein Unternehmen, dessen Projektarbeit sie an einem ausgewählten Beispiel bewerten. „Ich habe gemeinsam mit meinen Kommilitonen bei meinem jetzigen Arbeitgeber ein Rohstoffprojekt zur Initiierung der biologischen Mangobutterherstellung bearbeitet.“ Einige Monate später wurde dort eine Stelle im Einkauf frei, sie bewarb sich und wurde genommen.

Sensibilität für andere Kulturen

„Sehr wichtig in meinem Job ist es, eine Sensibilität für andere Kulturen zu entwickeln. Es geht darum, die Welt mit anderen Augen zu sehen, nicht nur den eigenen.“ Ihr Wissen über die Rohstoffe hat sie sich im Laufe der Jahre angeeignet. „Die Betriebswirtschaft ist ein wichtiger Teil meiner täglichen Arbeit“, so Lilli Kuhn. Im Vordergrund stehen jedoch die Qualität und die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Rohstoff und den Beziehungen zu den Lieferanten. „Ein weiterer Aspekt ist ein sinnlicher, nämlich das Riechen und Verstehen von Düften, und das muss jeder bei uns lernen, egal welche Ausbildung er hat.“ Kollegen der Betriebswirtin sind Chemiker, Agraringenieure oder Lebensmitteltechnologen. Lilli Kuhn ist dort glücklich, wo sie ist. „Ich wollte gern in den Mittelstand. Am Ende hat sich mein Wunsch mit dem Zufall gepaart und ich habe eine höchst spannende Aufgabe bekommen.“ <<

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