Architekt/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Architektin

Tätigkeitsfeld:

Bauplanung und -leitung

Abgeschlossenes Studium in:

Architektur

BERUFENET:

Architekt/in

Wir gehen raus auf Baustellen und führen sehr viele Abstimmungsgespräche.

Die vielen Seiten der Kreativität

Natürlich entwirft Mariya Georgiev (31) auch Gebäude – das ist aber nur ein kleiner Teil des Arbeitsalltags der Architektin. Sie koordiniert mehrere Projekte parallel, besucht Baustellen und stimmt sich mit Bauherren und Planern ab.

Mariya Georgiev hat die Arbeitsabläufe einer Feuerwehr und einer Leitstelle bis ins kleinste Detail recherchiert. Das gehört zu ihrem Job als Architektin. Ihr Arbeitgeber, das Stuttgarter Büro Harder Stumpfl Schramm, entwirft einen Gebäudekomplex für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz – die Architekten müssen sich intensiv in die Struktur und die Funktionen des geplanten Gebäudes einarbeiten. Das Team plant Hallen für die Feuerwehrfahrzeuge und eine passend dimensionierte Ausfahrt, Werkstätten, eine Wache, die Verwaltung der Branddirektion und Unter­richtsräume. „Die Form folgt der Funktion“, zitiert Mariya Georgiev einen Leitsatz der modernen Architektur. „Trotzdem muss das Design dazu passen. Schließlich trägt man eine große Verantwortung, weil man die Umgebung prägt.“

Die Vorrecherchen sind nur ein kleiner Teil ihres abwechslungsreichen Arbeitsalltags: „Bei Architekten denken viele an das Kreative, das Entwerfen, das ja auch im Studium im Vordergrund steht. Diese Seite gibt es natürlich, etwa wenn wir an Wettbewerben teilnehmen und Konzepte ausarbeiten“, erzählt die 31-Jährige. „Aber der Arbeitsalltag setzt sich aus einem Bündel an Aufgaben zusammen: Wir gehen raus auf Baustellen, führen sehr viele Abstimmungsgespräche mit Planern, Bauherren und Handwerkern.“

Auf Überraschungen gefasst

Klar formulieren zu können, worum es geht, ist eine zentrale Kompetenz in ihrem Beruf. Unterstützend sind Zeichnungen hilfreich, mit denen Mariya Georgiev ihre Ideen oder Vorschläge visualisiert. „Natürlich werden heute Pläne mit Zeichenprogrammen erstellt, aber es vergeht trotzdem kein Tag, an dem ich nicht von Hand etwas skizziere.“

Sie betreut mehrere Projekte gleichzeitig und muss in der Lage sein, gedanklich schnell umzuschalten. In manchen Büros ist jeder Mitarbeiter auf bestimmte Bauphasen spezialisiert – „bei uns übernimmt jeder alle Bauphasen“, sagt Mariya Georgiev. Im Moment erstellt sie zum Beispiel eine Leistungsbeschreibung für Malerarbeiten und holt Angebote ein. Um die Leistung möglichst detailliert beschreiben zu können, muss sie jeden Winkel des Gebäudes kennen.

Richtlinien und Budgets schränken die Spielräume der Architektin naturgemäß ein. „Aber das macht es auch spannend“, sagt sie. Mit Überraschungen muss sie umgehen können: „Ein Projekt ist immer ein Prozess, in dem es Änderungen geben kann – sei es, weil der Bauherr Sonderwünsche hat oder weil bei einer Sanierung Unvorhersehbares ans Tageslicht kommt."

Nie ausgelernt

Architektur kann man an Kunsthochschulen, Fachhochschulen und Universitäten studieren. Mariya Georgiev hat ihren Abschluss an der Universität Stuttgart gemacht und anschließend die zweijährige Berufsphase durchlaufen, die sie für den Eintrag in die Liste der Architektenkammer Baden-Württemberg brauchte. Ausgelernt habe man als Architektin aber nie, sagt sie: „Am Anfang fehlt einem einfach die Praxis, etwa in der Baustellenleitung und der Ausführungsplanung. Außerdem gibt es viele verschiedene Gewerke, sodass ich mit jedem Projekt immer noch etwas dazulerne.“ <<

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