Archäologe/­Archäologin

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Archäologin

Tätigkeitsfelder:

Archäologische Ausgrabungen; Informationsbeschaffung, -erschließung, -aufbereitung

Abgeschlossenes Studium in:

Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

BERUFENET:

Archäologe/Archäologin

Wenn man bedenkt, dass das alles zweieinhalbtausend Jahre alt ist, haben wir richtig Glück gehabt.

Das Leben vor unserer Zeit

Juliana Meyer (28) organisiert und koordiniert Ausgrabungen. Sie sucht mit ihren Teams nach Funden aus der Vorzeit und dokumentiert diese.

Für Juliana Meyer kam nie etwas anderes infrage als der Beruf der Archäologin. Schon als Kind grub sie nach Hühnerknochen auf dem Bauernhof ihrer Eltern. „Man sollte unbedingt auch die Natur mögen. Eine gewisse körperliche Fitness ist ebenso notwendig wie eine gesunde Neugier für Sachen, die man finden kann“, erklärt sie. Sie hat Klassische Archäologie mit Vor- und Frühgeschichtlicher Archäologie auf Bachelor und Master an der Universität Würzburg studiert. Grundlagen der Klassischen Archäologie, Europäische Ethnologie sowie Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie waren einige der Fächer, die dabei auf dem Studienplan standen. „Die eigentliche Grabungstätigkeit lernt man nur bedingt im Studium durch Lehrgrabungen. Der Schwerpunkt liegt auf dem, was man zur Auswertung einer Grabung braucht“, erklärt sie.

Um Praxis zu sammeln, arbeitete sie bereits während des Studiums bei ihrem heutigen Arbeitgeber mit, einer Grabungsfirma in Bayern. Nach Abschluss des Masters stieg sie dort direkt ein. Neben ihr beschäftigt das Unternehmen etwa 40 Archäologen. „Weil die Ausgrabungsgrößen von einem Ein-Mann-Team bis zu 15-köpfigen Teams wechseln können, sollten wir alle, je nach Grabungserfahrung nach dem Studium, verschiedene Positionen besetzen können“, sagt Juliana Meyer. Um als Grabungsleiter, Assistent oder Facharbeiter eingesetzt zu werden, bedarf es zusätzlich der ausdrücklichen Zustimmung des jeweiligen Landesamtes.

Aus Scherben lesen

Derzeit arbeitet Juliana Meyer als Grabungsleiterin auf einer längerfristigen Baustelle. „Momentan graben wir in einem geplantem Neubaugebiet nach einer Siedlung aus der späten Bronzezeit oder der frühen Eisenzeit. Wir finden Pfosten, die man zu Häusern rekonstruieren kann, und Vorratsgruben, die mit Tierknochen, selten Menschenknochen, Keramik, Eisen- und Buntmetallfunden bestückt sein können. Wenn man bedenkt, dass das alles zweieinhalbtausend Jahre alt ist, haben wir richtig Glück gehabt.“ Um die Funde zu bergen, muss das Team vorsichtig, sorgfältig und ausdauernd graben: „Es ist eine körperlich anstrengende Arbeit. Wir arbeiten bei Regen, Schnee und auch bei 40 Grad in der Sonne. Dafür braucht man Idealismus“, sagt Juliana Meyer.

Neugierde und Naturverbundenheit

Als Grabungsleiterin ist sie die koordinierende Schnittstelle zwischen der Baufirma, dem Auftraggeber und dem Landesamt für Denkmalpflege. Sie fertigt die wissenschaftlichen Berichte an und schreibt Artikel für Fachzeitschriften. Die Assistenten sind ihre helfende Hand. „Facharbeiter“, so Juliana Meyer, „schaufeln Gruben, wie man sich das vorstellt: im Schlamm und bei steinigem Boden, mit Schaufeln, Spaten und Pickeln.“ Zu den Aufgaben der Archäologin gehören auch Vermessungen, Fotografien für die Dokumentation, Handzeichnungen und Beschreibungen, Datierung und Voreingruppierung der Funde sowie die Eingabe in die hauseigene Datenbank.

Auf die Frage, ob sie gerne im Ausland arbeiten würde, sagt sie: „Ich könnte das machen, die Ausgrabungen sind ja ähnlich. Das war aber nie mein Ziel. Gerade der mitteleuropäische Raum hat eine interessante Vorgeschichte, es gab Kelten, Bandkeramiker und viele andere interessante Kulturen.“ <<

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