Bau­wesen, Architektur, Vermessung

Studium (grund­ständig), Ausbildung

Hörsaal

Studieren lohnt sich!

Unter Akademikern und Akademikerinnen ist nicht nur die Arbeitslosigkeit am niedrigsten, sie besetzen auch häufiger Führungspositionen.

Welche verschiedenen Studienmöglichkeiten sich dir bieten und was in einem Studium auf dich zukommen kann, zeigen exemplarisch die folgenden Reportagen. Dabei handelt es sich natürlich nur um einen kleinen Ausschnitt aus der großen Vielfalt möglicher Studiengänge in diesem Berufsfeld.
Die Entscheidung für ein bestimmtes Studienfach und einen Hochschultyp ist jeweils abhängig von deinen individuellen Interessen, Stärken und Fähigkeiten und deinen beruflichen Zielen. Deshalb ist es wichtig, dass du dich vorher gut informierst. Doch egal wofür du dich entscheidest: Los geht es in der Regel mit dem Bachelorstudium. Danach kannst du ins Berufsleben einsteigen oder ein Masterstudium anschließen.
Übrigens entscheiden sich manche Abiturienten und Abiturientinnen auch für eine Berufsausbildung anstelle eines Studiums. Ebenfalls angeboten werden duale Studiengänge, die eine akademische Ausbildung mit einer Berufsausbildung oder Praxisphasen in einem Unternehmen verbinden. <<

Nachtschicht fürs perfekte Haus

Kreativität trifft technisches Verständnis: Theresa Holl (24) studiert Architektur. Sie setzt ihre Entwürfe per Hand auf Papier, am PC und als Modell mit Cutter und Klebstoff um.

Die Begeisterung für ihr späteres Studienfach war schon früh vorhanden: Im Kunst-Leistungskurs hatten es Theresa Holl vor allem Zeichnen und das Thema Architektur angetan. Nach dem Abitur errichtete sie während eines einjährigen Freiwilligendienstes in Ghana ein Nebengebäude an einer Schule. Ein sechswöchiges Vorpraktikum auf dem Bau bestätigte sie anschließend in ihrem Wunschfach Architektur.

Heute ist sie im achten Semester an der Hochschule Würzburg und immer noch begeistert: „Das sollte man auch sein, denn das Studium ist sehr zeitaufwendig. Man nimmt sich zwar vor, keine Nachtschichten einzulegen, aber letztlich macht man sie dann doch, weil es einfach Spaß macht, seinen ganz persönlichen Entwurf zu verfeinern.“ Für die Bewerbung musste sie keine Mappe einreichen, dafür aber ein Auswahlverfahren durchlaufen: „Nach einer schriftlichen Bewerbung wurde ich zum Eignungstest eingeladen.“ Es ging erst um Allgemeinwissen und dann ums Freihandzeichnen.

Sie hat sich bewusst für ihre Hochschule entschieden: „Ich wollte praxisnah studieren. Viele Studieninhalte gehen über den reinen Entwurf hinaus und beinhalten Teile des Bauingenieurwesens.“ Neben dem Entwerfen per Hand und am PC stehen auch Fächer wie Baukonstruktion, Baustoffe, Tragwerksplanung, Bauphysik und Architekturgeschichte auf dem Studienplan. Regelstudienzeit sind acht Semester, im sechsten steht das Praxissemester an. Dieses hat sie in Paris absolviert. In einem Urlaubssemester hat sie ein weiteres Praktikum in Hamburg angehängt. Ihr Studium kann sie aus privaten Mitteln finanzieren. Und später? „Ich möchte auf jeden Fall noch den Master anhängen.“ <<

Interessen:

Technik und Gestaltung, nachhaltiges Planen

siehe auch Arbeitswelt:

Architektur und Bauwesen

BERUFENET:

Architektur

Technik für Kreative

Ob Klima, Heizung oder Lüftung: Florian Kirch (23) interessiert sich für Technik und greift auch gerne selbst zum Schraubenzieher. Im dualen Studiengang Versorgungstechnik verbindet er Theorie und Praxis.

Wie kreativ es sein kann, ein Gebäude effizient und umweltschonend zu kühlen, zu heizen und für ein gutes Raumklima zu sorgen – das hat Florian Kirch während eines Praktikums in einem Planungsbüro erfahren. Er schrieb sich dann für den dualen Studiengang Versorgungstechnik an der FH Bingen ein.

Dual bedeutet, dass er innerhalb von fünf Jahren gleich zwei Abschlüsse machen kann: erstens den Bachelor of Science in der Versorgungstechnik und zweitens den Berufsabschluss Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Durch die Ausbildung ist nicht nur ein Teil des Studiums finanziert, sondern ich lerne auch, selbst Anlagen aufzubauen“, sagt er. Die betriebliche Ausbildung ist dabei auf zwei Jahre verkürzt, wobei er die ersten 18 Monate vor Beginn des Studiums absolviert hat: „Danach beginnt das erste Semester“, erzählt der 23-Jährige. „In der vorlesungsfreien Zeit habe ich dann den Rest der Ausbildung im Betrieb absolviert."

Das Studium selbst dauert sieben Semester. Schwerpunkte sind Prozess- und Automatisierungstechnik, Messtechnik, Heizungstechnik, Ver- und Entsorgungstechnik sowie Kälte- und Klimatechnik. „Da sollte man schon eine Affinität zu Mathe und Physik mitbringen“, sagt Florian Kirch.

Auch Module über regenerative Energietechniken stehen auf dem Lehrplan. Hinzu kommen Exkursionen und Projekte, in denen die Studierenden ihre ersten Anlagen planen. Mittlerweile ist Florian Kirch im sechsten Semester, seinen Berufsabschluss hat er schon in der Tasche. Jetzt macht er sich Gedanken über ein Thema für seine Bachelorarbeit. <<

Interessen:

Mathe, Physik, selbst Anlagen bauen, fachübergreifend planen

siehe auch Arbeitswelt:

Gebäudetechnik

BERUFENET:

Versorgungstechnik

Stadt und Entwicklung verstehen

Von Technik über Design bis hin zu Sozialwissenschaften: Nancy Smolka (21) schätzt ihren praxisorientierten Studiengang Stadt- und Regionalplanung.

Nancy Smolka wollte etwas mit Grafik und Design studieren, aber anwendungsorientiert sollte es sein: „Über Freunde habe ich von dem Studiengang erfahren.“ Heute ist sie im sechsten Semester und nicht nur von der gestalterischen Seite ihres Studiums an der Universität Kassel angetan: „Im zweiten Semester haben wir uns auf einer Exkursion in Vietnam informelle Siedlungen angeschaut. Die Menschen haben ihre einfachen Zeilenbauten mit dem erweitert, was ihnen zur Verfügung stand, und das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt“, sagt Nancy Smolka. Diese Entwicklung zu verstehen, das hat sie gepackt. Aber auch Themen, die nah an ihrem Alltag sind, wie etwa die Mietpreisentwicklung, will sie hinterfragen: „Das Studium ist so vielfältig, das hätte ich nicht erwartet. Je nach Interesse kann ich aus einem umfangreichen Modulangebot wählen.“

Im Grundsatz vermittelt das Studium planerische Kompetenzen: „Neben Handskizzieren arbeiten wir viel mit Design- und CAD-Software. Es ist eine gute Mischung aus Gestaltung und Ingenieurwesen. Komplizierte Mathematik kommt nicht vor, man muss aber logisch denken können, allein schon, um etwa Abstandsflächen zu berechnen.“ Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester, wobei es fünf Projektarbeiten sowie ein viermonatiges Praxisprojekt gibt.

Das Studium ist zeitintensiv, dennoch ist Jobben machbar: „Durch die zahlreichen Projekte kann man sich die Zeit gut einteilen. Und auch an der Uni gibt es viele Stellen für Studenten.“ Wie es bei ihr weitergehen wird, weiß sie noch nicht: „Man ist ja nicht nach sechs Semestern fertige Planerin, dafür ist das Thema viel zu komplex. Ich möchte erst Praxiserfahrung sammeln und dann weitersehen.“ <<

Interessen:

Gestaltung und Design, zwischen Anwohnern und Planern vermitteln

siehe auch Arbeitswelt:

Landschafts- und Raumplanung

BERUFENET:

Stadt-, Regional­planung

Stadt, Land, Fluss

Zwischen Büro und Hörsaal: Markus Klümper (21) absolviert eine Ausbildung zum Vermessungstechniker und studiert parallel dazu Vermessung.

Nach seinem Praktikum im Vermessungsbüro Schemmer, Wülfing, Otte in Borken stand für Markus Klümper fest, dass er Vermessung studieren wollte. Überzeugt hat ihn die kooperative Ingenieurausbildung der Hochschule Bochum, die die Ausbildung Vermessungstechnik mit dem Studium Vermessung kombiniert. Das Praktikum war keine Voraussetzung für die Einschreibung, wohl aber für seinen Ausbildungsvertrag mit dem Ingenieurbüro. „Das Studienprogramm ist nicht ohne – aber machbar“, betont er. „Im ersten Jahr begann die Ausbildung zum Vermessungstechniker, wobei ich einen Tag in der Woche regulär die Berufsschule besucht habe. Im zweiten und dritten Lehrjahr findet parallel zur Ausbildung das Studium statt: An zwei Tagen habe ich an der Hochschule mathematisch-naturwissenschaftliche und fachbezogene Grundlagen studiert. An den anderen drei Tagen war ich im Vermessungsbüro. Den Lernstoff aus der Ausbildung muss man eigenständig nachholen.“

Markus Klümper ist im vierten Semester und hat gerade die Abschlussprüfungen für seinen Ausbildungsberuf geschrieben. „Zum Teil decken sich die Themen, werden aber anders aufbereitet. In der Berufsschule etwa werden die einschlägigen Gesetze detaillierter durchgesprochen.“ Ab dem fünften Semester ist die Berufsausbildung abgeschlossen, an der Hochschule geht es dann weiter mit fachbezogenen Vertiefungen wie Ingenieurvermessung, Optische 3-D-Messtechnik oder Liegenschaften und Kataster. „Im neunten Semester gibt es eine weitere Praxisphase, sodass man auch noch andere Büros oder Institutionen kennenlernt, bevor man seine Abschlussarbeit schreibt“, sagt Markus Klümper. Die Finanzierung läuft in der Regel über den Ausbildungsbetrieb. Und danach? „Ich kann mir gut vorstellen, weiterzustudieren.“ <<

Interessen:

Bau­wesen, Hard- und Soft­ware, Natur­wissen­schaften

siehe auch Arbeitswelt:

Vermessung und Geoinformation

BERUFENET:

Vermessung­stechniker/in; Vermessungs­technik

Es gibt verschiedene Studienabschlüsse. Mehr dazu erfährst du auf studienwahl.de. Die mit Abstand häufigsten Abschlüsse sind dabei Bachelor und Master.

Das Bachelorstudium ist ein grundständiges Studium, das in der Regel sechs Semester dauert. Es setzt sich zusammen aus Modulen mit Lehrveranstaltungen, für die es – je nach Aufwand – Credit Points (CP) gibt. Auch für die Bachelorarbeit am Ende des Studiums erhältst du CP. Frühestens nach drei Jahren Studium hast du die Möglichkeit, in den Beruf einzusteigen.
Oder du studierst weiter: im Masterstudium. Es kann anknüpfend an ein bestimmtes Bachelorstudium erfolgen oder sich einem anderen Themenbereich widmen. In jedem Fall erweitert ein Masterstudium deine Kenntnisse und Fähigkeiten. Außerdem ist ein Master die Voraussetzung für eine Promotion und für bestimmte Fach- und Führungspositionen. Den Abschluss bildet die schriftliche Masterarbeit.

Übrigens: Ein Masterstudium kannst du auch noch aufnehmen, wenn du als Bachelor schon einige Jahre gearbeitet hast. Manche erwerben den Master berufsbegleitend. Welche Hochschulart die richtige für dich ist, Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie, das hängt ganz von dir ab: Wer vertieft forschen will, ist vielleicht an einer Universität besser aufgehoben als an einer Fachhochschule, wo der Fokus oftmals stärker auf der Praxisnähe liegt. Aber nicht alle Fächer können an allen Hochschultypen studiert werden. Hier gilt es, sich vorab gründlich zu informieren.

Die Voraussetzung für die Zulassung zum Studium ist abhängig vom Studiengang und der jeweiligen Hochschule. In manchen Fällen gibt es lokale Auswahlverfahren der jeweiligen Hochschulen. In anderen Fällen muss man sich über hochschulstart.de bewerben. Und manchmal kannst du dich einfach ohne Zulassungsbeschränkung einschreiben. In jedem Fall sind die Bewerbungs- und Einschreibefristen zu beachten.

Je nach Interesse und persönlichen Stärken kann auch eine Berufsausbildung sinnvoll sein. Hier wird zwischen dualen Ausbildungen, die im Betrieb und an der Berufsschule stattfinden, und schulischen Ausbildungen unterschieden.

Weitere Infos unter www.studium.abi.de, unter www.ausbildung.abi.de und unter studienwahl.de.

Ein Studium kostet Geld: Neben den Ausgaben für Lebensunterhalt und Bücher müssen an bestimmten Hochschulen auch Semester- oder Studiengebühren bezahlt werden. Studierende können jedoch als finanzielle Unterstützung BAföG beantragen. Ausschlaggebend dafür sind deine persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie in den meisten Fällen die deiner Eltern. Das Beste daran: Ein Teil davon ist ein zinsfreies Darlehen, der Rest sogar ein Zuschuss. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind: ein Stipendium von einer Stiftung oder auch ein Studienkredit, etwa von der staatlichen KfW-Bank. Während einer dualen Ausbildung oder bei einem dualen Studium erhältst du eine Vergütung, die allerdings stark variieren kann. Reicht diese nicht, um deinen Lebensunterhalt zu decken, kannst du Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beziehungsweise BAföG beantragen.

Weitere Infos zur Studienfinanzierung unter www.finanzen.abi.de

http://berufsfeld-info.de/abi/bauwesen-architektur-vermessung-studium