Bau­wesen, Architektur, Vermessung

Ein Zirkel und ein Lineal liegen auf einem Plan.

Berufe rund ums Bauen sind technisch geprägt, verlangen aber ebenso gestalterische und organisatorische Fähigkeiten. Die Absolventen und Absolventinnen dieser Arbeitswelten planen und errichten Bauwerke, entwickeln die Wirtschaft ganzer Regionen, erheben geografische Daten oder optimieren die Energiebilanz von Gebäuden.

Wohnhäuser und Bürogebäude, Theater und Bahnhöfe, Straßen und Kanäle, aber auch Grünanlagen und Parks – sie bestimmen das Gesicht unseres Landes. All diese Zeugnisse menschlicher Baukunst könnten ohne die Akademiker/innen in den Berufen rund um Bauwesen, Architektur und Vermessung nicht entstehen.

Die klassischen Berufsbereiche rund um den Hochbau, also die Errichtung von Gebäuden aller Art, sowie den Tiefbau, also zum Beispiel den Bau von Straßen oder Deichen, findest du in der Arbeitswelt Architektur und Bauwesen. Hier kannst du zum Beispiel als Bauingenieur/in den Trassenverlauf einer Autobahn planen, die Statik von Stahlkonstruktionen berechnen oder Bauschäden unter die Lupe nehmen. Als Architekt/in oder Innenarchitekt/in bringst du dich zudem gestalterisch ein. Im Baumanagement stehen wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund.

In den Berufen rund um Landschafts- und Raumplanung hast du die Entwicklung ganzer Regionen in wirtschaftlicher, infrastruktureller, ökologischer und sozialer Hinsicht im Blick. Du entwirfst zum Beispiel Konzepte, wie man ein verlassenes Fabrikgelände zu neuem Leben erweckt. Oder du untersuchst, ob ein geplantes Baugebiet ökologisch vertretbar ist oder wie sich die Klimabilanz einer Stadt durch den Bau einer neuen U-Bahn-Linie verändert.

Wenn du dich für die Arbeitswelt Vermessung und Geoinformation entscheidest, kannst du zum Beispiel Baugrundstücke vermessen oder digitale Geodaten für Landkarten oder Navigationssysteme nutzbar machen.

In den Berufen rund um die Gebäudetechnik kümmerst du dich beispielsweise um die Strom- und Wasserversorgung von Gebäuden oder ganzen Stadtvierteln, optimierst die automatische Steuerung von Klima- und Lüftungsanlagen oder kümmerst dich im Facility-Management um die Verwaltung der Immobilien. Ein besonderes Augenmerk legst du auf das Thema Energieeffizienz.

Egal für welche Arbeitswelt man sich entscheidet: Hochschulabsolventen und -absolventinnen aus dem Baubereich verbringen den größten Teil ihrer Arbeitszeit mit planenden und organisierenden Tätigkeiten. Dabei pendeln sie oftmals zwischen Büro, Baustelle und Besprechungen mit Kunden und Auftraggebern. Die Arbeit im Gelände, oft auch bei Wind und Wetter, kann zum Beruf gehören.

Bereits die Planung eines Bauvorhabens durchläuft viele Stufen. Das Zeichnen der Pläne und das Erstellen der Entwürfe am Rechner – immer in enger Abstimmung mit den Kunden – ist dabei nur einer von vielen Arbeitsschritten. Mit Beginn des eigentlichen Baus übernehmen Hochschulabsolventen oft die Bauleitung, weisen auf der Baustelle die Facharbeiter/innen an und behalten die Zeit- und Kostenpläne im Blick. Je nach Beruf und Arbeitswelt kann es aber auch zu den Aufgaben gehören, Messgeräte zu bedienen, am Computer Daten auszuwerten, gebäudetechnische Systeme zu programmieren oder zu prüfen, ob Gesetze und Bauvorschriften eingehalten wurden.

So unterschiedlich die Tätigkeiten rund ums Bauen auch sind, so haben sie doch einige Gemeinsamkeiten. Viele der Berufe setzen ein großes Verständnis für mathematische und technische Zusammenhänge voraus. Zugleich sind oftmals auch gestalterische Begabung und ein Sinn für Schönheit, Formen, Farben und Proportionen gefordert. Darüber hinaus setzt man sich mit einer Vielzahl weiterer Themen auseinander, etwa mit rechtlichen, politischen, ökologischen oder betriebswirtschaftlichen. Das nötige Fachwissen erwirbt man im Laufe des Studiums.

Grundsätzlich verstehen sich Hochschulabsolventen aus dem Baubereich als pragmatische und kompromissbereite Problemlöser, die stets um das beste Ergebnis im Sinne ihrer Kunden bemüht sind – soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke sowie eine ausgesprochene Dienstleistungsorientierung sind manchmal ebenso wichtig für den beruflichen Erfolg wie technisches und gestalterisches Fachwissen. Wer darüber hinaus noch Fremdsprachenkenntnisse mitbringt, hat noch bessere Karten.

Typische Arbeitgeber für die Absolventen dieser Arbeitswelten sind Baufirmen, Ingenieur- und Architekturbüros oder Immobiliengesellschaften. Auch bei Baubehörden, Stadtplanungs- oder Vermessungsämtern sowie anderen öffentlichen Institutionen bieten sich Chancen. Aktuell sind die Möglichkeiten für Berufseinsteiger/innen recht gut, wie Dr. Jens Stephani von der Bundesagentur für Arbeit berichtet: „Der Arbeitsmarkt in diesem Berufsfeld ist eng mit der Baukonjunktur verbunden. Sind die Finanzierungsbedingungen günstig, wird häufiger in Bauvorhaben und Renovierungen investiert. So führen beispielsweise niedrige Zinsen dazu, dass private Haushalte und Unternehmen verstärkt investieren. Auch das Volumen der öffentlichen Bauinvestitionen spielt eine große Rolle. In Zeiten gut gefüllter Kassen kann der Staat beispielsweise mehr in Straßen, Brücken und öffentliche Gebäude investieren. Damit steigt auch die Nachfrage nach Dienstleistungen rund um den Bau."

Der Berufseinstieg in einen Studienberuf im Baubereich ist in der Regel bereits mit einem Bachelor möglich. Wer eine Führungsposition anstrebt, kann einen Masterstudiengang oder sogar eine Promotion als Karrieresprungbrett nutzen. Und wer während des Studiums Erfahrungen im Ausland gesammelt hat, kann seine Chancen ebenfalls verbessern. Denn die Tür zum Ausland steht in den Bauberufen weit offen: Deutsche Bauunternehmen, Architektengemeinschaften oder Regionalplanungsagenturen betreuen zahlreiche internationale Bau- und Entwicklungsprojekte.

Neben einem guten Hochschulzeugnis achten viele Arbeitgeber auch auf den Nachweis von Praxiserfahrungen. Ein besonders intensiver Praxisbezug ist bei einem dualen Studium gegeben, das Phasen an der Hochschule und im Partnerunternehmen beinhaltet. Aber auch studienbegleitende Praktika, etwa bei Baufirmen, Architekturbüros, geografischen Verlagen oder Vermessungsämtern, machen sich in jedem Lebenslauf gut. Manchmal ist es zudem möglich, die Abschlussarbeit bei einem Unternehmen zu schreiben.

Hat man den Berufseinstieg erfolgreich gemeistert, gibt es für Hochschulabsolventen gute Chancen, in Führungspositionen aufzusteigen – zum Beispiel als Bereichsleiter/in einer Baufirma oder als leitende/r Ingenieur/in für die Gebäudetechnik. Wichtig hierfür ist die Bereitschaft, Neues zu lernen und sich weiterzubilden. Denn technologische, soziale und politische Veränderungen können die Arbeitswelt oft einschneidend verändern. Viele Akademiker/innen dieser Arbeitswelt machen sich mit entsprechender Berufserfahrung auch selbstständig, etwa mit einem Innenarchitekturbüro, einer Stadtplanungsagentur oder als freiberufliche/r Baugutachter/in.

Übrigens: Bei manchen der Tätigkeiten in diesen Arbeitswelten handelt es sich um sogenannte geschützte Berufe. Um sich „Architekt/in“ oder „Innenarchitekt/in“ nennen zu dürfen, ist neben einem einschlägigen Studienabschluss unter anderem die Mitgliedschaft in einer Architektenkammer verpflichtend. Auch in anderen Bereichen gibt es spezielle Zugangsvoraussetzungen, beispielsweise bei den Beamtenberufen oder bei den Gutachtertätigkeiten. <<

Egal für welches Studium du dich entscheidest: In den meisten Fällen steht dir mit einem Abschluss nicht nur ein bestimmter Beruf offen, sondern viele verschiedene – je nachdem, welche Inhalte ein Studiengang vermittelt oder welche Schwerpunkte du selbst setzt. Du hast einen Wunschberuf und möchtest wissen, welches Studium dafür geeignet wäre?

Auch hier hast du viele Möglichkeiten, denn ein Beruf ist in den meisten Fällen über verschiedene Studienfächer zu erreichen. Und selbst wenn du nach dem Abschluss bereits einen Beruf ergriffen hast, kannst du dich im Laufe des Arbeitslebens auf unterschiedliche Tätigkeitsbereiche spezialisieren.
Klingt ganz schön kompliziert? Die Infografik hilft dir anhand einiger Beispiele weiter. <<

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